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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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versink, denen Herbeck Vorstand — eine kleine Reise nach dein Salzkammcrgntean. vr. Kral war ein geistreicher Mann nnd ein gemüthlicher Gesellschafter,,und so konnte die erwünschte geistige und leibliche Erholung angesichts dergroßartigen Alpennatur nicht ausbleibcn.

Gelegentlich dieser Reise hielt Herbeck in Linz an, um mit dein dortigenDomorganisten Anton Bruckner Unterhandlungen wegen dessen Berufung nachWien zu pflegen. Bruckner genießt heute einen solch' bedeutenden Ruf alsComponist und Orgelspieler, daß die Geschichte seiner Berufung, welche durchHerbert ans eigenem Antriebe veranlaßt wurde, ausführlich dargestellt zu werdenverdient. Bruckner war ursprünglich Schnlgehilfc am Lande, nnd seine musi-kalischen Fähigkeiten veranlaßten dessen „Ernennung" zum Dorforganistcn. Wieviele prachtvoll dnrchgeftthrte Fugen mögen da wohl an den ungebildeten bäuer-lichen Ohren verschwendet worden sein? Seine Bezahlung war eine solch'geringe, >) daß er, um dem Hungertode zu entgehen, gezwungen war, ans Bauern-hochzeiten und Kirchtagen um einen Zwanziger die ganze Nacht hindurch zumTanze anfzuficdeln. So war die, in diesen Blättern schon genügend gekennzeichnetesociale Stellung der Volksbildner am Lande beschaffen! Im Jahre 1855 wareS Bruckner möglich geworden, unter der Leitung des ausgezeichneten TheoretikersSimon Sechter crnste musikalische Studien zu treiben. Im Jahre 1861 suchteBruckner beim Wiener Conservatorinm an, eine Maturitätsprüfung im Contra-pnncte ablegen zu dürfen, welche Bitte ihm auch gewährt wurde. Die Prüfungs-Commission bestand aus seinem Lehrer Sechter, ferner Hellmesberger,Dessoff, dem Referenten über Schulangelegenhciten am Conservatorinm, Schul-rath Becker und Herbeck. Als die Commission zusammengetrctcn war, erhobsich Herbeck, welcher Bruckncr's Leistungen bereits kannte, und bemerkte, daßeine gute mündliche Beantwortung vorgelegter Fragen dem Candidaten auchkeinen Vorrang vor anderen mit Auszeichnung Studircnden einränmen könnte;wenn Bruckner hingegen fähig sein sollre, ein ihm gegebenes Thema im fngirtenStyle sogleich praktisch auf einem Clavier oder einer Orgel durchzuftthren, sowürde dies, mehr als all' theoretisches Wissen, seine eminenten Fähigkeitenbeweisen.

Bruckner, gefragt, ob er sich dieser Aufgabe unterziehen wolle nnd welchesInstrument er vorziehe, war mit dem Vorschläge Herbcck's einverstanden undwühlte die Orgel in der Piaristcnkirche in der Josefstadt. Professor Sechterwurde aufgefordcrt, ein Thema niederzuschreibcn. Es waren vier Takte, dieSechter aufzeichnete. Darauf ersuchte Hcrbcck seinen College» Dessoff, dasThema zu verlängern, worauf Hcrbcck ans die Weigerung Dessoff'S die Verlän-gerung auf acht Takte selbst vornahm. „Ach, Sie Grausamer!" rief ihm Dessoffdarauf zu. Das Thema wurde nun Bruckner übergeben, und weil dieser, etwasängstlich, eine Zeit lang daran stndirte, so machte sich eine unwillkürliche

>) Nach Bruckncr's eigener Mitthcilung zwei Gulden monatlich.