seit seiner Jugend nicht mehr gehört hatte. Der damalige, seither verstorbeneMnsik-Director des Klosters, P. Maximilian Kerschbanm benützte einige Zeitdarauf die mit Hcrbcck geschlossene Bekanntschaft, um ihm eine Messe seinerComposition zur Aufführung in der Hofcapelle zu übersenden. Herbeck fanddas Werk dazu sehr geeignet, jedoch knüpfte er an die Aufführung die Bedingung,daß der Compouist die Fuge» im Gloria und Credo kürze. Dazu konnte sichKerschbaum nicht verstehen, und die Messe blieb daher unausgeführt.")
Hcrbeck's Krankheit bedingte die zeitweise Uebergabe der Hofcapelle anseinen Stellvertreter Prcycr. Unter der Leitung desselben stand auch die Musikwährend der Feierlichkeiten der Krönung des Kaisers Franz Josef znm Königevon Ungarn in Pest. Es gelangte hierbei die sogenannte Kröuungsmesse vonFranz Liszt zur Aufführung. Der Componist wandte sich durch die Vermittlungseines Freundes Baron Augusz, eines kunstsinnigen ungarischen Gutsbesitzers,an Hcrbeck, um sich seiner Geneigtheit, daß er die Messe für diese besondereFestlichkeit Vorschlägen und dirigircn möge, zu versichern. Herbeck konnte diesemErsuchen insofcrne nicht willfahren, als er die Leitung der Messe wegen dereingetretenen Krankheit eben an Preyer abgeben mußte. Später hat er dieselbe,welche er als ein bedeutendes Werk erkannte, in der Hofcapcllc noch öfterdirigirt.
Nach sehr kurzem Aufenthalte in Wien begab Herbcck sich zur Nachcurnach Maria-Schutz, auf dem Wege dahin noch einen genialisch-lustigen Tagauf der Besitzung seines Freundes Dnmba in Tattendorf verlebend. SeinenVorsatz „diese Ferien im vollständigsten Müssiggang zuzubringen und nichtszu Ihn», als essen, spazieren gehen und schlafen" 2 ) führte er nicht so ganzgewissenhaft durch. Schon in Ischl hatte ihm sein Schaffenstrieb nicht Ruhegelassen. Er skizzirte daselbst am 26. Juni ein Lied im österreichischen Volks-ton, „Guter Trost", dem er im Herbste noch ein zweites, „Liebesglück", hinzu-fügte. Zu beide» Chören lieferte er sich selbst den Text. Daß sein Schaffennoch sehr von der, durch die Krankheit hervorgcrufcncn seelischen und körper-lichen Hcrabstimmung litt, bezeugt die Thatsache, daß er einen am 27. Junibegonnenen Münnerchor bald stehen ließ und die Skizze durchstrich. Auch inMaria-Schutz konnte er keine rechte Freude an der Arbeit finden. „Selbstschreibe» kann ich," berichtet er an Gräfin Zamohska, „nur in homöopathischenDose», denn was ich nie für möglich gehalten hätte, jede noch so leichteBeschäftigung regt mich ans." Dennoch schrieb er noch Ende Juli einige Kleinig-keiten, zwei gemischte Chöre: „Liebeslied", das in seiner reizenden Einfachheitau die besten Erzeugnisse ans dem Gebiete des volksthümlichc» Gesangeserinnert, und „Liebespcin". I» demselben Sommer oder spätestens im Herbstescheinen noch entstanden z» sein: „Mnrray'S Ermordung" und „LiebeSrcihcn",zwei Lieder für gemischten Chor, „Ein Christlied oder Echo der Hirten", dessen
') Mitthciümgcn des Mnsik-Dirertors Herrn ?. Georg Hucmer in Äremsinünstcr.
2 ) Brics vom Angnst 1867, Anhang S. 74.