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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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Vor allem geliebten Salzkammergnte. Hcrbeck'S Begeisterung für diese» reizendenErdcnwinkcl spricht sich in einem, an eine hohe Dame gerichteten Briefe deutlichaus.') Wie schön schildert er z. B. den Eindruck, welchen er auf der Spitzeder Zwicselalm empfängt:

„Versenkt man sich in den Anblick, so heben sich die Hände unwillkürlich,um über den Donnerkogcl hinweg nach den Dachstein-Eisfeldern zu greife». Dochvergeblich wär'S, schildern zu wollen, was nur selbst empfunden, erlebt werdenkann. „DaS Unbeschreibliche— hier ist's gcthan." Tiefer und nachhaltiger alses die unzähligen, best gemachten „Beschreibungen" zu thnn vermögen, ver-sinnliche» diese lapidaren Worte des heiligen Ketzerbnches: Faust, de» Eindruck,den man bei solchem Schauen empfangen. Das „Unbeschreibliche" das ans denHöhen so gewaltig „gethan", einem vor den Augen liegt, das durch die frische,klar-durchsichtige BergeSluft als wie seinem vermittelnden Elemente läuterndund erhebend ans Geist und Körper wirkt, es ist wohl mehr als eine „schöneAussicht"! Ich glaube, auch der reinste Mensch steigt vom Berge als eingebesserter Sünder in's Thal. Ganz verstockte Tröpfe aber müssen es gewesensein, die zwei Berge, Himmelsstnfen vergleichbar, „Zwieselalm" und „Schafberg"getauft haben. Will man diese Worte anssprechen, drücken sie ans die Kehlewie Lüsterworte, die ein gntmüthiger Mensch ohne Zorneswallnng ans-spreche» soll."

Treffend ist seine Charakterisirnng des reizenden Attersee's, den er einen„verwässerten deutsch-italienischen Dualismus" nennt. I» Ischl, wohin Hcrbecksich zunächst begab, nahm er im Hotel Bauer, das, am Bergabhange gelegen,eine prächtige Aussicht bietet, Wohnung. Nach wenigen Tagen hatte ihm jedochder freundschaftliche Eifer des Liedercomponisten Josef Dessaner,2) damalsschon mit Recht der „alte" znbcnannt, ein reizendes Quartier i» einem Häuschenin Kaltenbach, einer „Vorstadt" Jschl's, ausfindig gemacht. Hier fand Herbeck,was er brauchte: ungestörte Ruhe, die ihre Wirkung ans Körper und Geistauch nicht verfehlte. Nach mehrere» Wochen begab er sich nach Anssee, aberdas Wetter schlug um, und es ward recht rauh in den Bergen. Einigeböse Mahnungen an die überstandcne Krankheit in Form unangenehmer Lnngen-stiche waren die Folgen dieses Wettcrbrnches. Moralisch niedergedrückt, tratHcrbeck die Rückreise nach Wien an, ans dem Wege dahin eine kleine Stationim Kloster Krcmsmünstcr haltend.

Nicht nur der Musiker, auch der Maler, der Gelehrte findet hier Schätzeund Sehenswürdigkeiten angehünft, die seine Aufmerksamkeit erregen müssen.Herbeck, welcher einige Tage in dem Kloster zubrachte, war von der Zuvorkommen-heit, aber auch von der Gelehrtheit, Gastfreundschaft und dem Kunstsinne derGeistlichen, in deren Mute sich damals auch der jetzige Erzbischof von Wien,C. Josef Ganglbnner, befand, entzückt. Von den Institutionen interessirte ihn be-sonders das reichhaltige Mnsikarchiv und die große Orgel in der Kirche. Er spielteans diesem herrlichen Instrumente das Benedictns einer Haydn'sche» Messe, die er

>) Im Anhänge nicht abgedruckt.

2 ) Seine Oper „Doininga" wnrdc 1860 in Wien sechsmal gegeben.