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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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222
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Melodie aus dein Mittelalter stammt, für gemischten Chor mit Begleitungvon zwei Clarinctten und zwei Fagotten, endlich führte er eine Skizze Schnbcrt'saus dem Jahre 1823, „Nüdiger's Heimkehr" benannt, für Tcnorsolo, Männer-chor und Orchester ans. H

I» den Sommer 1867 fiel auch ein Ereignis?, welches, obwohl es ansHerbeck's Künstlerlanfbahn keine» Einfluß genommen hat, dennoch hier erwähntwerden mnß. Kaiser Max von Mexico, der Brndcr des Kaisers Franz Josef,war am 19. Juni ein Opfer der Politik Napolcou's III. geworden, welcher,durch eine gut gespielte Komödie Maxcn's Ehrgeiz aufstachclnd, ihn bewog, diemexikanische Kaiserkrone anznnehmen und ihn nun, als die Sache für Napoleoneinen schlechten Ansgang zu nehmen drohte, schmählich im Stiche ließ. AufHerbeck hatte die Hinrichtung des Kaisers einen schmerzlichen Eindruck hcrvor-gebracht, schon deshalb, weil er die unsäglichen Qualen, welche das Herz derMutter, der Erzherzogin Sophie, erleiden mußte, vollkommen zu ermessen ver-stand. Nun hatte Napoleon im Jahre 1866, indem er großmüthig die Nolleeines Friedensstifters übernahm, Oesterreich eine» großen Dienst erwiese» —natürlich nicht ans Edelmnth. I» Folge dessen besserten sich die BeziehungenOesterreichs mit dem Pariser Fanfaron, trotz des erschütternden Abschlussesdes „Trauerspieles in Mexico", derart, daß der Letztere sogar beschloß, demKaiser von Oesterreich einen Besuch in Salzburg abznstatten. Der Kaiser mußte— der Politik zu Liebe — alles anfbieten, um dem Gaste de» Aufenthalt inseinem Hause so angenehm als möglich zu machen, und er lud daher denWiener Münner-Gcsang-Vercin ein, nach Salzburg zu kommen, damit dieserdaselbst einige Piecen vortrüge. Herbcck war zwar nicht mehr Leiter des Vereines,aber er äußerte oft, daß, wenn er cs auch gewesen wäre, er nimmer bei dieserGelegenheit sich an die Spitze desselben gestellt haben würde. Erstens erschienes ihm als eine Eharaktcrlosigkeit, einem Manne untcrthänigst anfznwartcn,den man gerade einen Schurken und Mörder genannt hat, 2) und zweitenshaßte er Napoleon, dessen ans Lug und Trug gesponnenes System zu seineneigenen, auf Liebe zur Wahrheit beruhende» Lcbensgrnudsützcn im grellstenWiderspruche stand, ans ganzer Seele. Wohl wußte er sonst Politik und Kunstzu trennen.

Nach dem österreichisch-preußischen Kriege siedelte sich der, seines Landesverlustig gewordene König Georg von Hannover in Wien an. Der König warblind, und den einzigen und größte» Genuß bot ihm daher die Musik. Als er daserste mal ein von Hcrbeck geleitetes Concert besuchte, ward er, der den feinenRegungen der Musik ans das Gemüth doppelt zugängig war, ein dankbarerVerehrer desjenigen, welcher ihm diesen einzigen Genuß in größter Vollkommen-heit bot. Wie das nun bei Blinden häufig der Fall ist, konnte cs auch derKönig durchaus nicht vertragen, wenn jemand irgendwie inerten ließ, daß er

y Rottcbohm Schubert-Katalog S. 229.

2) Siche Brief vorn August l867, Anhang S. 75.