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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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während einer Reise durch Deutschland und Oesterreich in den Jahren 1841—42,ergriff sie ihn wieder mit voller Macht, und diesmal sollte er glücklicher inder Durchführung derselben sein. Die Composition der Musik ging rasch vorsich, rascher als bei allen seinen anderen Werken. Berlioz schrieb, wo und wanner nur konnte, im Wagen, in der Eisenbahn, am Dampfschiffe, selbst inmittender Concertsvrgen in den Städten. In Paris vollendete der Meister das groß-artige Werk, welches er selbst als eines seiner besten bezeichnet.') Nun galtcs, dasselbe auch zu Gehör zu bringe». Der wirklich glänzende Erfolg, welchenBerlioz' „Romeo und Julie" mehrere Jahre vorher im Conscrvatorium zuParis errungen hatte, berechtigte ihn nun auch als den Schöpfer des „Faust"zu den schönste» Hoffnungen. Allein Zlliwioir!" ruft Berlioz aus .... DieZeiten hatten sich gewaltig geändert. Die Theilnahmslosigkcit des PariserPnblienms gegenüber allem, was Kunst und Literatur betraf, hatte nnglanb-lichc Fortschritte gemacht. Er hatte keine Modcsüngerin für die Margarethezur Verfügung. Noget, welcher den Faust und Hermann Lso», welcher de»Mephisto sang, waren nicht mehr „kasliioimlilö", und zudem konnte man dieseKünstler ohnehin täglich im Theater hören. Alle diese Umstünde führten eintrauriges Resultat herbei: „Faust" wurde zweimal (November 1846) vor halbleeren Bänken gegeben, denn das „mnsikliebcnde" Publicum war fein zu Hausegeblieben, da cs so weniges Interesse für diese neue Musik an den Tag legte,als ob Berlioz der „unbedeutendste (otzsenr) Zögling des Conservatoriums"wäre, kurz, es war nicht mehr und kein besseres Publicum im Hause, alswenn man die schlechteste und abgespielteste Oper gegeben haben würde. Berliozgesteht, daß ihn nichts auf seiner Künstlerlanfbnhn so tief verletzt hat, alsdieser, durch eine unerwartete Theilnahmslosigkeit hcrvorgerufenc Mißerfolg inder Metropole seines Vaterlandes. Da faßte Berlioz, beschämt, niedergedrückt,und aller Geldmittel entblößt, den Entschluß, Frankreich den Nücke» zu kehrenund sich »ach Rußland zu wenden, welchen Plan er nur Dank der Opfer-willigkcit einiger Freunde durchznführen in der Lage war. 2)

Zwanzig Jahre später sollte er mit demselben Werke in Wien einen wahrenTriumph feiern. Der Aufführung der ungemein schwierigen „Faust-Musik" stelltensich ungeheuere Schwierigkeiten entgegen. Ein großes Hinderniß lag in dem Um-stande, daß Berlioz, der das Werk persönlich leiten sollte, nicht deutsch sprach, nndeine Verständigung zwischen ihm nnd den Musikern daher im Allgemeinen nichtmöglich war. Die Aufführung hätte auch absolut nicht zu Stande komme»können, würde Hcrbeck nicht das Werk so weit cinstudirt haben, daß Berlioznur mehr die Hauptproben abznhaltcn brauchte. Als Berlioz nach Wien kam,wurde er in Folge der lange», anstrengenden Reise krank und mußte das Betthüten. Als aber Herbeck sich bei ihm nnmclden ließ, stand er auf, kleidete sich

') Berlioz Nein. II. x. 210 ff., 259 ff. F-. Hilter nennt den Faust „das reichste nndmusikalisch vollendetste Werk" des Meisters. Hitler Künstlcrlcbeu, Köln 1880 S. 44.

2) Berlioz Uein. II. p. 262 ff.