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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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gestellt. Man kam in Wien so selten in die Gelegenheit, den großen Dirigentenauch als den Schöpfer ausgedehnterer Musikstücke kcnueu zu lernen, daß eineaußerordentlich starke Betheiligung des Publicnms, welchem gerade von Herbeckim Laufe mehrerer Jahre bis dahin ungekanntc Genüsse bereitet worden waren,mit Zuversicht zu hoffen stand. Doch eitler Wahn! Derselbe Mann, welcherwenige Wochen vorher an zwei Abenden durch die Production großentheilsalter oder doch gut bekannter Männerchöre tausende von Menschen unwiderstehlichhingerissen hatte, ihre Pfennige ans den Altar der Wohlthätigkeit zu legen, erfand jetzt, da er ein interessantes, von den besten Kräften ausgeführtes, aberaus eigenen Compositionen zusammengestelltes Programm darbot, nicht so vielzahlendes Pnblicnm, daß es ihm möglich ward, wenigstens die Kosten derUnternehmung zu deckend) Diese schmerzhafte Erfahrung und ferner der Umstand,daß die Urthcile, welche von der Kritik über seine Compositionen gefällt wurden,großentheils ungünstige waren, verbitterten Herbcck — mit Recht — in solch'hohem Grade, daß er sich verschwor, niemals wieder ein ähnliches Unternehmenzu wagen. Der unmittelbare Erfolg des ConcerteS war allerdings ein glänzender.Mau wurde nicht müde Beifall zu klatschen, aber damit konnte er sein Deficitnicht decken und auch die mißgünstigen Stimmen, die sich nachträglich widerihn erhoben, nicht schweigen. Unter den aufmerksamsten Zuhörern in jenemConcerte saß freilich ein Künstler, dessen Anwesenheit bei einer solchen Gelegen-heit genügen mußte, um Hcrbeck so manches Ungemach, das er erlitten hatte,vergessen zu machen. Es war Hcctor Berlioz.

Dieser große Mann war nach Wien gekommen, um die Aufführung seinerdramatischen Legende „Faust's Verdammun g" persönlich zu leiten. Die Idee, denFaust zu vertone», hatte Berlioz, der, wie Schumann und Lenau, eine echte Faust-Ratur war, schon bei der ersten Lectüre dieses Werkes, das ihm in einer Uebersctzungvon Gvrard de Nerval zugäugig geworden war, gefaßt. „Ich ließ das Buch nicht ausder Hand", berichtet Berlioz, „ich las unaufhörlich darin, bei Tisch, im Theater,auf der Straße, überall." Die genannte, in Prosa abgefaßte Ucbcrsetzung, ent-hielt auch einige in Versen übertragene Stellen. Berlioz ging sofort daran, sici» Musik zu setzen, und gab diese unter dem Titel ,Uuik seönes cis Uaust"auf eigene Koste» in Druck. Bald aber sah der Componist ein, daß diesesWerk sehr unvollkommen wäre, raffte alle Exemplare, deren er habhaft werdenkonnte, zusammen und vernichtete sic. 2) Die Idee, den Faust zu componircu,gänzlich aufzngebe», war er aber doch nicht im Stande. Zwanzig Jahre später,

') Die Einnahmen betrugen 651 fl. — kr.die Ausgaben „ 845 „ 24 „

daher Deficit 194 fl. 24 kr. — Die Kosten des Orchesters waren ver-hältnißmäßig gering, weil viele Künstler unentgeltlich mitwirktcn. Daß der Singvcrcinund der Mäuncr-Gesang-Berein keine Entschädigung forderte, ist von selbst verständlich. Conccrt-Rechnungen.

2 ) Berlioz Nein. I. x. 145 f.

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