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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
208
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geringe Erkältung oder Verdnnnngsstörnng genüge, um eine Ansteckung herbci-zuführen. Herbcck hatte das sichere Vorgefühl, daß er kein hohes Alter erreichenwerde. Er pflegte immer zu sagen, daß er die Jahre über die fünfzig als einGeschenk des Himmels betrachte, und vielleicht war gerade ei», durch täglichsich erneuernde Schreckensnachrichten von dem Tode guter Bekannter oderFreunde hervorgcrnfenes ängstliches Gefühl die unmittelbare Ursache, daß erdieser Vorahnung gewissermaßen schriftlichen Ausdruck verlieh. Sein SchwagerGreiner, welcher mit Vorliebe von sich sagte, er müsse dreihundert Jahre altwerde», prophezeite an einem Abende, den sic gemeinsam verbrachten, auchHcrbeck ein hohes Alter, worauf dieser einen Bleistift ans der Tasche zog,und auf ein Blatt Papier die Worte schrieb: „An meinem fttnfnndfünfzigstenNamenstag zahle ich zehn Flaschen Champagner. 18^66." Herbeck starbschon nenn Jahre vor diesem Termine.

Der Epidemie wegen ließ er seine Familie noch bis gegen die Hälfte desMonates October in Maria-Schutz zurück, wohin er sich nur mehr zu kurzenBesuchen begebe» konnte. Er stand schon in rnockins ros der künftigen Saison. VorWeihnachten hatte er noch zwei große Unternehmungen zu leiten: Eine Massenpro-duktion zu Gunsten der Opfer des letzten Krieges und die Aufführung der „vnm-uatiou äs klaust" von Hector Berlioz. In Anbetracht des Zweckes der erstge-nannten Unternehmung, welcher in der Gründung eines möglichst großen Hilfs-fondes bestand, und ferner bei dem Umstande, als ein solches Fest nicht für exclusivestreife berechnet sein durfte, war die Wahl eines möglichst großen Locales ge-boten. Herbeck verfiel auf die Idee, die kaiserliche Winterrcitschnle, welche seit derAufführung des „Elias" im Jahre 1847 keinem musikalischen Zwecke mehr-gedient hatte, zur Abhaltung des Festes zu benützen, und in der That hätteer keine glücklichere Wahl treffen könne», denn nicht leicht dürfte irgendwo eineben so großer Saal anfzufindcn sein, in welchem gewaltige Tonmasscn inder Weise zur Wirkung gelangen, wie gerade in der, ganz und gar nicht für-akustische Zwecke gebauten Winterrcitschnle. Herbcck stellte, dem RiescnraumeRechnung tragend, eine kleine Armee von 1200 Sänger» auf. Welche Wirkungeine ähnliche Masscnprodnction einmal auf Mendelssohn hervorgcbracht hat, istbezeichnend, und cs möge daher gerade bei dieser Gelegenheit davon Erwähnunggeschehen. Als dieser nämlich beim Rheinischen Musikfeste in Köln im Jahre 1846einen Vortrag von 2000 Sängern gehört hatte, schrieb er darüber: „Wie dasklingt? Nicht schärfer stark als jeder andere Chor (und darüber wundern dieLeute sich immer) aber an dem gewissen Schwirren und Sausen merkt es jedesgeübte Ohr — gerade so wie dreißig Geigen, nicht gerade stärker als zehn,aber anders, eindringlicher, massenhafter klingen. Ich habe große Freude gehabt." ')Allerdings, der Kunst wäre damit nicht gedient, wenn man solche Massen-produktionen zur Regel mache» würde, wie es leider gerade in den letzten

') Henscl, die Familie Mendelssohn 2. Auflage II. S. 373.