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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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war, da Wirth und Wirthia gemeinsam ein Zimmer bewohnten, und sie inallen Stücken die Hausfrau energisch vorznstcllcn wußte.

Dergestalt waren die, für zuckersüße Dorfgeschichten sich eben nicht eignendenZustände in Maria Schutz beschaffen, als Herbeck daselbst Aufenthalt nahm. DieWirthin weigerte sich anfangs zwar energisch gegen die Aufnahme von Sommer-gästen in ihrem Hanse, allein es gelang schließlich doch, sie dazu zu bewegen.Sie war ein ungebildetes, aber mit natürliche» Vcrstandesgaben ausgcstattetes,herzensgutes Weib, welches sich in der neuen städtischen Gesellschaft bald rechtwohl fühlte. Beinahe jeden Abend brachte sic im Kreise ihrer Sommergäste zu undwußte hier durch eine recht fließende Darstellung ihrer Erlebnisse, welche durchverblüffend treffende Bemerkungen gewürzt war, das Interesse und die LachlustHerbeck's zu erregen. Für diesen hatte sie bald eine warme Zuneigung gefaßt,und jeder Wunsch, den sic ihm nur ans den Augen lesen konnte, wurde nachMöglichkeit sofort erfüllt. Wie weit ihre Verehrung für Herbeck ging, beweistfolgende Episode. Herbeck pflegte in einem hölzernen, nahe beim Hause stehendenLusthäuschen zu arbeiten. Im folgenden Winter brach in den Wirthschafts-gebändcn Feuer aus und verzehrte dieselben bis auf die Mauern. Das knappnebenan stehende hölzerne Lusthans blieb aber durch Zufall verschont. In diesemEreignisse erblickte die Wirthin eine besondere Gnade Gottes. In ihrer himm-lischen Einfalt konnte sie sich diese Thatsache nämlich nur damit erklären, daßGott das Haus, in welchem ein von ihm Geliebter so viele Stunden gernezugebracht hatte, absichtlich verschont habe, um diesem einen besonderen Beweisseiner Gnade zu geben. Der Brief, welcher das Ereigniß des Brandes nachWien meldete, enthielt die Mittheilnng dieses offenbaren Wunders mit demBeifügen, daß Herbeck wohl ein Heiliger sein müßte, da nicht einmal der Schneeans dem Dache des Lnsthauses geschmolzen wäre, trotzdem die Hitze um dasbrennende Object herum eine unerträgliche gewesen war. Seit dieser Zeit wurde'Herbeck in befreundeten Kreisen mit Vorliebe scherzweise „der Heilige" genannt.

Herbeck verweilte, soweit festzustcllen war, vom 23. August bis 6. Septem-ber und vom 9. bis 30. September in Maria Schntz und vollendete währenddieses kurzen Aufenthaltes mehrere Compositionen, deren bedeutendste unstreitigdie „Tanzmomente" genannt werden muß, welche, wie Herbeck selbst meint,etwa eine „idealisirte Tanzmusik" vorstellen sollen. ') Obwohl die „Tanzmomcnte"einen engen geistigen Rapport mit Schubert nicht verleugnen können, so herrschtin dieser melodiösen und feinen Mosaikarbcit Originalität der Erfindung durch-aus vor. Ohne Zweifel hat der Charakter der Tänze und Gesänge des Volkes,wie es dort, hart an der Gränze Steiermarks, leibt und lebt, einen großenEinfluß beim Componiren geübt, ja, man kann füglich behaupten, daßHerbeck, der ein scharfer Beobachter volksthiimlichcn Treibens war, aus demvollen Leben heraus die Idee zu den „Tanzmomcntcn" empfing.

>) Brief vom 19. November 1868, Anhang S. 23.