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fetten Pfründe. Der Gehalt war freilich nicht bedeutend, aber jede Wallfahrttrug Geld ein. Selbst die ärmsten Theilnehmcr einer solchen liehen mindestenseine Messe für ihr Seelenheil lesen, und nebstbei fiel auch einiges Geld inde» Opferstock, welches seinem eigentlichen Zwecke, nämlich der Unterstützungnon Pfarrarmen, eben nur znm geringsten Theile zngcführt wurde.
Im Pfarrhofe befand sich eine Schule, in welcher die Kinder des Sprcngels„herangebildet" werden sollten. Mit dieser Bildung war es allerdings nicht ambeste» bestellt, was der bloße Anblick des Lehrers sofort bezeugen mußte. Eswaren damals die letzten Jahre jener Epoche in Oesterreich noch nicht verstriche»,in welcher der Lehrer in der Regel nicht viel mehr vorstellcn konnte, als de»Knecht des Pfarrers. Bei den großen Tafeln, welche an besonderen Festtagenvon den geistlichen Herren veranstaltet wurden, stellten die Volksbildncr nichtselten Speiscnaufwürter vor, und da zu solchen Tafeln meist auch die Groß-bauern der Umgegend zngezogen waren, so sanken die Männer, in deren Händendas geistige Wohl der künftigen Generation gelegen war, bei dergleichen Gele-genheiten zu den Lakaien der Väter ihrer Schüler herab. Das mag den Bauerneine sonderbare Meinung von der socialen Stellung eines Schullehrers beige-bracht haben! Freilich zu einer „geistlichen Tafel" kam es in Maria-Schutznie, denn der Pfarrer war so geizig, daß er sich selbst kaum das zum Satt-essen nöthige Brot gönnte, geschweige denn anderen eine Tafel gab. Die Gestalteines Schulmeisters am Lande, wie Herbeck eine in seinem Aufsatze vom Jahrel 848 U gezeichnet hat, fand er hier in noch zehnmal verschlechterter Auflagewieder. In dieser Schule gingen die unglaublichsten Dinge vor. Was konnteman übrigens von einem Manne erwarten, dem es an der nöthigen Bildungmangelte, einen einfachen Satz anszndrücken, einein Manne, dem nicht einmaldie vier Spccies des Rechnens eigen waren! Nicht selten kam es vor, daß ersich während der Schulstunden von einem Kinde Branntwein bringe» ließ undden Genuß desselben am Katheder so lange fortsetzte, bis er, vollkommen be-rauscht, zu Boden fiel, und den Kindern nichts übrig blieb, als die Schulezu verlassen. Da er das wenige Geld, welches er einnahm, znm größten Theilefür Getränke verausgabte, so blieb ihm nicht genug übrig, um sich die nöthigenNahrungsmittel anznschaffen. Sein Mahl nahm er daher gewöhnlich unent-geltlich in der Wirthshansküche ein, sich blos der natürlichen Werkzeuge, d. h.der Hände, dabei bedienend. Mit Gabel und Messer hat man ihn nie essengesehen.
Ja, die Wirthin, das war bei all' ihren Fehlern ein prächtiges Weib.Das obere Wirthshans gehörte einem Bauer, Namens Baumgartner, unddie Wirthin war nicht die Gattin des Wirthes, sondern jene des bezahltenKnechtes im Hause. Sie galt wohl allgemein als die rechtmäßige Hausfrauund wurde auch als „Baumgartncrin" angesprochcn, was wohl kein Wunder
>) Siehe Anhang S. 107.