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schaft, über der sonst der stille Friede der Natur seine Fittige gebreitet hat,zuweilen den Anschein geschäftigen Lebens, lieber der Gebirgskette, längs welcherdie Eisenbahn sich dahin zieht, erhebt sich eine zweite Reihe bedeutender Berge,deren höchster, der Schneeberg, dessen majestätisches, zuweilen auch im Sommermit Schnee bedecktes Haupt stolz an das blaue Firmament hinanragt, dieseswunderbare Panorama abschließt.
War eine größere Wallfahrt ungesagt, so ward eS lebhaft, besonders imoberen Hause. Wenn nun die Processiou nach vorherigem Empfange des Segensin der Kirche im Wirthshause eintraf, so wurden deren Theiluehmcr meistrecht schlecht verköstigt, und daun suchten diese, müde von dem langenMarsche, ihre Quartiere auf. Am folgenden Tage begannen die frommen Bnß-übnngcn: viele von den Wallfahrern gingen thalab und rutschten sodann ansden Knicen wieder den Berg hinan; andere trugen große Steine in den, senk-recht über dem Kopf erhobenen Händen bis vor die Kirche hinauf, wo diesesschon seit Jahren angesammclte Bußmaterial bereits einen mächtigen Hansenbildete; besonders reuige Sünder aber verbanden beide Bußarten zu einemGanzen, indem sie, Steine in den Händen tragend, gleichzeitig den Berg ansden Knieen hinaufrntschtcn, so weit dies eben ging. Es ist unglaublich, daßeine Religio», welche in ihrer reinen Form als die edelste und pocsievollstealler Religionen anerkannt ist, in einer solchen Weise auöarten kann.
Die Kirche bot von außen einen recht hübschen Anblick dar, das Innereaber war beinahe schmucklos zu nennen. Die Altäre, mehr im Zopf- als imBarockstyle gehalten, konnte» mit ihrem Flwterwcrk wohl nur ans die naivstenGemüther den Eindruck von Kunstwerken hcrvorbringen, und die Bilder, welchehier und da die Eintönigkeit der nackten weißet,, stellenweise rissigen Wändeunterbrachen, paßten in ihrer Geschmacklosigkeit und Nüchternheit vollkommenzu dem Untergründe, von dem sie sich abhoben. Die Orgel, an und für sichein schönes Werk, gab nur mehr falsche Töne von sich, denn sie war seitJahren nicht gestimmt worden, weßhalb Herbeck auch nie aus dein Instrumentespielte. Der Pfarrhof, welcher mit der Kirche in nnmittelbarein Zusammen-hänge stand, trug ein total verwahrlostes Aenßere zur Schau. Viele Fensterwaren zerschlagen, die Mauern, welche bedenkliche Risse zeigte», schon seitJahren nicht übertttncht worden, und ans Dach, Gesimsen und an der Thür-schwelle wucherten Moos und Gras. War denn kein Pfarrer da? mußte jeder,welcher dieser offenbaren Verwahrlosung ansichtig ward, unwillkürlich fragen.
Der Pfarrer, ein hochgebildeter Mann, lebte sehr zurückgezogen. Trotz-dem wußte man in der ganzen Umgegend nicht das Beste von ihm zu reden,denn er hatte einen unglaublichen Geiz. Allerdings, wenn man die hagere,asketische Gestalt des Pfarrers, seinen abgeschabten Rock und die kahlen Wändeseiner vernachlässigten Wohnränmc betrachtete, mochte sich einem leicht derGlaube nnfdrängen, man habe es hier mit einem wirklich armen Landpfarrcrzu thnn. Dem war aber nicht so, im Gegentheile, der Pfarrer saß ans einer