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der geringsten Willkür singen, als diesmal die Artöt. Streng pedantisch möchteich sagen, brachte sie die Noten und doch wieder mit einer entzückenden graziösenFreiheit".
Freilich konnte Herbcck der ferne von Wien weilenden Gräfin nicht Erfreu-liches alleinig berichten. Vier Tage vor dem Mozart-Concerte ging eine dergrößten Künstlerinnen, die Wien je in seinen Mauern geborgen hat, ans ewigdahin. Es war Julie Rettich, die gefeierte und geliebte Tragödin, eine feineweibliche Natur, eine Frau, der ein großer Geist und eine glühende Künstler-scele innewohnte. Herbeck's Verehrung für diese geniale Frau stammte schonaus einer Zeit, wo er blos ihre Leistungen bewundern durfte, später, alser vermöge seiner Stellung mit ihr in persönlichen Verkehr getreten war —sie war auch bei der Erzherzogin Sophie ein gerne gesehener Gast — ent-wickelte sich zwischen beiden ein ähnliches Frenndschaftsverhältniß, wie zwischenHerbcck und der Artöt. Recht schwer traf ihn daher der Todesfall, und diewenigen, an die Gräfin darüber geschriebenen Worte mögen als größerer Beweiseines wahren und tiefen Schmerzes gelten, als die schwungvollsten Tiraden csim Stande wären: „Euer gräfliche Gnade» wissen den Verlust, der uns durchdie Rettich iu der Kunst und im Leben geworden, selbst am besten zu schätzen,und ich darf mich darum der schmerzlichen Aufgabe entziehen, ausznmalen, wieeinschneidend dieser Fall auf Alle, denen die Kunst noch etwas mehr als Zeit-vertreib gilt, gewirkt hat." Uebrigens zog der Tod der Frau Rettich eine
merkwürdige Eonseqneuz mittelbar nach sich, worüber am geeigneten Orte dieRede sein wird.
Nicht minder herzlich waren damals die Beziehungen, iu welchen HerbeckJahre hindurch mit der Witwe Robert Schumanu's, der genialen ClaraSchumann, stand. Herbeck schätzte die hervorragenden Eigenschaften diesermerkwürdigen Frau außerordentlich hoch, um desto tiefer mußte ihn dieWahrnehmung schmerzen, wie dieselbe mit Neid, Mißgunst und Unglückkampfend, ihr Brot erwerben mußte.-) Als später eine allgemeine Snb-scriptiou eingeleitet wurde, um Frau Schumann durch Uebcrreichung einesNatioualgeschenkes eine sorgenfreie Zukunft zu gründen, da stellte Herbecksich für Wien an die Spitze der eingeleiteten Agitation, und seinenBemühungen war es wahrlich nicht zum geringen Theile zu danken, daß
Wien eine» bedeutenden Beitrag zu dem Geschenke liefern konnte. DaßHerbcck die schönsten Werke ihres Gatten zur ersten Aufführung iu Wien
brachte und dadurch den Sinn der Wiener für Schumaun'sche Musik erstrege machte, daß er später „Manfred" und „Genofeva" in dramatischer
Gestaltung vorführte, das sei hier nur nebenbei erwähnt. Frau Schumann
>) Brief an Gräfin Zainoyska, in? Anhänge nicht abgcdrnckt. Einige thcils deutsch,thcils französisch geschriebene Briese der Artöt an Herbcck rühren durch ihre Einfachheitund Herzlichkeit.
-) Brief vom Februar 1866, Anhang S. 70.