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worden zu sein. „Die Egmont-Onvcrture," schreibt der eine '), „unter Herbeckist eine That, wie sie daö Conccrtleben nur höchst selten aufweist. Wie müssendie alten, grauen, verschlafenen Capellmeister zurückschreckcn, wenn sic in diesesFlammenmeer blicken!" und ein anderer H: „So wie in Wien heute dieEgmont-Ouvertnre, die Jupiter-Symphonie, die Ruinen von Athen aufgeführtwurde», wird man diese Tonwcrle in keiner zweiten Hauptstadt der Welt mehrzu hören bekommen" w.
Den Schluß der ersten Abtheilnng bildete das Quintett ans „6osi kaulmkiw", gesungen von Sophie Stehle, 3) der berühmten Münchener Sängerin,um die Hcrbcck schon 1863 sich beworben, der überaus musikalischen FrauMarie Leeder aus dem Singvcreine, ferner Calzolari (Mitglied der italienischenStagionc am Hvftheater), den Kammersängern Everardi und Rokitansky. Inder zweiten Abtheilung feierte Desiree Artöt mit dem Vortrage der §-äurArie der Gräfin ans „Figaro's Hochzeit", einen wahren Triumph. ') Die Artötwar in den Sechziger Jahren in Wien ein gerne gesehener Gast. H Sie glanztenicht allein durch die Kunst des Gesanges und durch eine poetische Erscheinung,sondern auch durch geniale Auffassung der Rollen und ein wunderbares durch-geistigtes Spiel. In der Wiedergabe von Gestalte» aus dem Bereiche derfeinen Spieloper war sie Meisterin, in Opern, wie „Der schwarze Domino"und „Misir ä'aiuors", riß sie das Publicum zum Enthusiasmus hin. Auchin Opern ernsten Styls, wie in Gonnod's „Faust", wußte sie die Wiener,welche doch in Louise Dnstmann eine unvergleichliche Repräsentantin der Rolledes Gretchen's. besaßen, vollständig für sich einzunehmen. Welchen Fleiß dieArtöt zu entwickeln im Stande war, beweist die Thatsache, daß sie, welche diedeutsche Sprache nur unvollkommen schrieb und redete, nur um ein styl-volles Ensemble zu erzielen, die Rolle des Gretchen's mit großer Mühein deutscher Sprache stndirte und sang.")
Herbeck fehlte beinahe bei keiner Artöt-Vorstellnng und ward bald einglühender Verehrer dieser Künstlerin. Auch sie zollte den Leistungen Herbeck's,als sie dieselben kennen gelernt hatte, enthusiastischen Beifall, und nachdembeide sich persönlich begegnet waren, führte diese gegenseitige warme Aner-kennung der künstlerischen Leistungen bald zu einem aufrichtig-freundschaftlichenVerkehre, lieber die Leistung der Artöt in jenem Concerte schrieb Herbcck anGräfin ZamoySka: „Man kann nicht reizender, geschmackvoller und dabei ohne
') Wiener Zeitung Nr. 90 I. 1866.
y Vorstadt-Zeitung Nr. 103 I. 1866.
y Sie war den Wienern schon bekannt. Jin Februar und März 1865 war sic alsMargarethe, Elisabeth rc. am Kärntncrthor-Theater ausgetreten.
y Das Erträglich des Conccrtcs belief sich ans 810 Gulden (Schmidt, MännewGcsang-Vcrcin S. 159) und wird von der Bezirlsvcrtretung Wieden verwaltet.
5) Ein Oheim der Artöt Namens Josef gastirte im Jahre 1835 als Violinspieler inWien. Hanslick, Conccrtwcscn S. 330.
°) Nene Freie Presse, 1. Deccmbcr 1864.