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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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die Zusammenstellung eines eigenen Orchesters geschmälert hatte, benutzte diesenAnlaß, um gegen ihn einen Trumpf auszuspiclc». Einige Mitglieder des zurFeier bcigczogcncn Hofopern-Orchesters erschienen nämlich im Gemeindehaus,.' underklärten, sic könnten unmöglich Mitwirken, weil — angeblich — das Orchesternicht in corpora geladen worden wäre. Eine solche Opposition einiger Herrendieses Körpers hatte zwar, wie wir sehen werden, durchaus keinen Einflußauf das Gelingen des in schönster Ordnung verlaufenden FcstconcerteS, derSache wird hier vielmehr deßhalb Erwähnung gcthan, weil daraus hervorgeht,wie grünzenlos der Neid der lieben Mittelmäßigkeit gegenüber dem Genie oftausartct, und zu welch' lächerlichen Schritten er sich dann verleiten läßt. Wiedie ganze Angelegenheit von Herbcck aufgcfaßt wurde, geht aus einem, anJosef Hcllmcsbcrgcr gerichteten Briefe,') welcher, wie die meisten seiner schrift-lichen Aeußcrungcn, von einem ehrliche», geraden Sinne und einer glühendenBegeisterung für die Sache zeugt, hervor.

Am 15. April Mittags fand das Festconcert im großen Rcdontcnsaalestatt. Nicht nur was Wien an bedeutenden musikalischen Kräften aufzuweisenhatte, auch fremde Künstler, wie die Sängerinnen Desirec Artöt und SophieStehle und der Sänger Calzolari waren hier unter Hcrbeck's Scepter ver-sammelt, um in edlem Wettstreite den Manen Mozart's ihr Bestes darzn-bringen. Auch der greise Maestro Rossini hatte aus weiter Ferne einen Bei-trag zu dem Feste geleistet, indem er eigens zu diesem Zwecke zwei Stücke:„Gesang der Titanen" für 4 Bässe mit Orchester und „Weihnacht" für Solo,Chor und Begleitung componirte und unter der Bedingung zur Aufführungüberließ, daß dieselben nicht copirt werden dürften und nach dem Concertesofort wieder nach Paris zurückgesandt werden müßten: ein Römer, den manzur Erde wirft, nachdem man aus ihm auf ein großes Ereigniß, auf einegeliebte Person getrunken hat! Das Concert wurde mit der großen O-änr-Symphonie Mozart's cingeleitet. Dieses, in Folge der ihm innewohnendenMajestät „Jnpiter-Shmphonic" znbcnannte Werk 2 ) ist vielleicht die größteorchestrale Tvnschöpfnng des Meisters, aber leider auch die am seltenstengehörte. Sic wurde an jenem Tage unter der begeisterten Leitung Hcrbeck'svon dem Hofopcrn-Orchester im Vereine mit dem Orchester des Mnsikvercines,einer imposanten Schaar von 120 Streichern mit doppelter Blasharmonie,gewaltig und schön dnrchgeführt. Hanslick und Speidel, die beiden, so ofteinander widersprechenden Kritiker stimmen diesmal darin vollkommen überein,daß die Symphonie wohl in etwas bedächtigem Zeitmaße, aber destostylvollcr, durchsichtiger und klarer gespielt wurdet) Die Kritiken schienendiesmal mehr von Enthusiasten, als von strengen Richtern geschrieben

>) Brief vom 6. April 1866, Anhang S. 71 f.

2 ) Wer ihm den Namen bcigelegt, weiß der gcnanc nnd gewissenhafte Jahn, MozartII. S. 209, nicht anzngcbcn.

y Neue Freie Presse Nr. 586 I. 1866; Frcmdenblatt Nr. 104 I. 1866.