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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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bestanden hatte, bald nach dem schönen Feste sich löse». Die neue Stellungals Hofcapcllmeister erlaubte ihm nämlich nicht, fernerhin dem Vereine anzn-gehören, und er mußte scheiden. Am 4. Mai ergriff er znm letzten male alsChormeister den Taktstab, um mit der Leitung von Schubert's „Geist derLiebe" und Mcndelssohn's „Es ist bestimmt in Gottes Nath" seine Thätigkeitim Vereine unter wehmnthig ausklingcnden Accordcn zu beschließen. Damitdie Bande, welche ihn so lange mit dem Vereine verbunden hatten, nichtgänzlich zerrissen, ernannte derselbe Herbcck zu seinem Ehrcnmitglicdc.

Ein interessantes Concert war das des Singvereines am 27. März.Der Stimmung der Charwoche entsprechend, bestand dasselbe in der Productionvon Stücken, denen durchgehcnds ein ernster Charakter innewohnt. Trotzdemalso das lange Programm durchaus nicht abwechslungsreich genannt werdenkonnte, hielt das Publicum doch bis zum letzten Takte in gespannter Aufmerk-samkeit ans. Mit Ausnahme des von Hellmesberger gespielten ^.-inoll-Con-certcs und einer Cantate für Altsolo und Clavicr von Bach standen blosNummern für gemischten Vocalchor am Programme, welche aber auch miteiner seltenen Präcision und Feinheit der Nnancirnng vorgetragcn wurden.Man kann füglich sagen, daß der Singvcrei» hier eine Leistung bot, welcheweder von ihm selbst noch von anderen Chorvereinen je übertrosfen wurde.Alles was man von einem solchen Körper nur verlangen kann: prachtvollklingende Stimmen, scharfe Intonation und die Fähigkeit, den Ton auch inden schwierigsten und längsten Stücken auf der richtigen Höhe zn erhalten,— im 8 stimmigen „Crncifixns" von Lotti fiel die Stimmung auch nicht umeine leise Schwingung — eine wunderbare Zartheit des piamssimo und über-wältigende Kraft des korkissirno, deutliche Aussprache des Textes, dazu eisernerFleiß und Begeisterung für die Sache, alles bot der Singverein i» harmo-nischer Vereinigung. Das Concert war gewissermaßen ein historisches, denn cswies die Entwicklung des gemischte» Chorgesanges bis Schubert und Mendels-sohn auf.

Das glänzendste musikalische Fest der Saison bildete jedoch unstreitig einvon der Vertretung des Wiener Gemcindebezirkes Wieden veranstaltetes Con-ccrt, dessen Neinerträgniß dem Fondc zur Errichtung eines Mozart-Dcnkmalesin diesem Bezirke zn Gute kommen sollte.') Der Beschluß der Bezirksvertretungfand allenthalben großen Beifall, und Herbeck, dem die künstlerische Leitungdes Festes übertragen worden war, ging mit einer, bei seiner gränzenloscnVerehrung für Mozart's Genius begreiflichen, ganz besonderen Liebe an'sWerk. Leider sollte ein schriller Mißton seine Freude an der Arbeit einige Zeithindurch stören. Ein, wenn auch kleiner Thcil der Mitglieder des Hofopern-theater-Orchesters, welcher es Herbcck noch immer nicht vergesse» konnte, daßer dieser Körperschaft daö Privilegium großer Orchester-Aufführungen durch

') Mozart schuf im sogenannten „Freihansc" ans der Wieden seine „Zanberflötc".