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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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Veränderung erfahren, als dies thatsächlich bald geschah, denn der Mann warnicht der Mann durchgreifender Reformen.

Der Alan», welcher dem Schlendrian gründlich ein Ende bereitete, wareben Fürst Hohenlohe. Bald nach dein Tode Lichtcnstcin's wurde eine neueHofstellc unter dem TitelHofmarschall" geschaffen und Fürst Hohenlohe mitder Führung dieses Postens betraut (20. Mai 1865). Die ziemlich ausge-dehnten Instructionen für denselben enthalten zwei Paragraphe, welche dieStellung, die er der Hofcapellc gegenüber einznnehmcn hatte, genau bezeichnen.Sic lauten:

§. 28.Damit die Hofmusik-Kapelle den Anforderungen des Dienstesauf eine des Hofes würdige Art entspreche, hat der Hofmarschall darauf zuscheu, das; dieselbe stets oollzählig mit tauglichen Individuen besetzt sei." §. 30.Der Hofkapcllmcister und Vicehofkapcllmeister sind dem Hofmarschall unmittel-bar untergeordnet."

Der Fürst ward also der eigentliche Chef Herbcck's, und die Folgen derneue» Ordnung begannen bald sich geltend zu machen. Zunächst befahl derneue Hofmarschall, daß Hcrbeck mindestens einmal im Monate in der Capellezu dirigiren habe.') Es ist unschwer zu crratheu, daß es Hcrbeck's erste Sorgewar, endlich einmal einem Werke Schubert's, 37 Jahre nach dem Todedesselben Eingang in die Hofcapelle zu verschaffen. Herbeck wählte die Messein 6 und brachte sie am Wcihnachtstagc 1865 zur Aufführung. Das nächstenovunr war eine Messe (bi-moll) eigener Composition. Herbeck brachte diesesausgedehnte, höchst complicirte Werk im Laufe cincs Monates zu Stande, eineLeistung, welche, zieht man nur die mechanische Arbeit des Niedcrschrcibensalleinig in Betracht, erstaunlich zu nennen ist. Zur Weihnachtszeit, deren weihe-voll-festlicher Charakter ihn oft in die zum Schaffen kirchlicher Musik geeigneteStimmung versetzte, begann er. Die Skizzen weisen folgende Daten auf: Oroclo25./12.29./12. 65, Lanetus 29./12. 65, Lsnociiekus 31./I2. 65, am Schlüßesteht 24./1. 66, während der Schluß des mit wunderbarer Reinheit ansgeführtenManuskriptes das Datum: 25. Jänner 1866, Schlag 12 Uhr Nachts aufwcist.Nach diesen Daten zu urtheilen, läge zwischen Vollendung der Skizzen und derReinschrift blos ein Tag; da Herbeck in diesem Zeiträume aber unmöglich dasmechanische Nicderschreiben dieses ausgedehnten Manuskriptes, wozu ja auch nochdie geistige Arbeit der in der Skizze blos angedentete» Orchcstrirung hinzukam,vollführen konnte, so ist jeder Zweifel ausgeschlossen, daß er nach Skizzirnngeines Theiles sofort an dessen ausführliche Bearbeitung schritt, und erst nach-dem dies geschehen war, die Skizzirnng anderer Thcile vornahm. Z. B. demEntwerfen der aufeinander folgenden Handlungen des 6rsäo, Lunotus und Louo-eiiekus, welches den Zeitraum vom 25. bis 3l. Dcccmbcr in Anspruch nahm,ist die vollständige Orchcsterausführnng unmittelbar folgend zu denken, und die

') Brief vom Februar 1866, Anhang S. 71.