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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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lanbung oder Krankheit seiner Vorgesetzten der Capelle widmen. Sein Einflußauf die Leistungen derselben war daher i» den Jahren 1863 und 1864 einäußerst unbedeutender, doch sollte derselbe, Dank dem Kunstsinne eines einfluß-reichen Cavalieres am Hofe, bald ein gewichtiger werden. Es war dies derFürst Constantia zu Hohenlohe-SchillingSfttrst.

Das HanS Hohenlohe wird durch die Zweige Langcnburg, Oettingcn undSchillingsfürst rcprüsentirt. Zwei Brüder des Fürsten Constantin nehmen beden-tcnde Stellungen ein: Fürst Chlodwig ist deutscher Botschafter in Paris, ei» andererBruder Cardinal in Nom. Fürst Constantin trat als junger Mann in die österrei-chische Armee ei» und wurde, nachdem er den Grad eines Obcrstlientcnants sicherworben hatte, zum Flügcladjutantcn des Kaisers berufen, in welcher Stellung ersich bald das Vertrauen und die persönliche Neigung des Monarchen errang. ZumSoldaten eigentlich nicht prädcstinirt, wandte der Fürst sein Interesse haupt-sächlich den Knnstverhältnisse» am Hofe zu, und sein Blick scheint auch dieZerfahrenheit des Zustandes, in welchem sich einerseits die Hofcapelle unterRandhartinger, anderseits das Operntheatcr unter Salvi befand, rasch wahr-genommen zu haben. Ein Todesfall sollte den Fürsten bald in die Lage ver-setzen, ans diese Verhältnisse einen entscheidenden Einfluß nehmen zu können.

Am 7. April 1865 starb nämlich der Obersthosmeistcr Fürst Lichtcnstcin. Eineigentlicher Nachfolger desselben wurde nicht ernannt, sondern der Obcrsthof-marschall Graf Franz Kuefstei» mit der Leitung des Amtes vorläufig betraut.Dieser ward somit auch der provisorische Chef Herbeck's. Der Graf, dessenBestrebungen für die Kunst bis dahin höchstens in dem von ihm geübten Pro-tektorate über den Tonkünstler-VereinHaydn" Ausdruck gefunden hatten,')war Aristokrat vom Scheitel bis zur Zehe, ein Aristokrat, der mit einer ihres-gleichen suchenden Zähigkeit an den hergebrachten Formen sesthielt. Herbeck,der übrigens mit dem Grafen angenehm verkehrte, weil dieser ein Mann vonoffenem Charakter und den ehrlichsten Gesinnungen war, erzählte oft ganzmerkwürdige Episoden aus diesem, die dienstlichen Gränzen stets strenge ein-haltenden Verkehre. Zur Begrüßung streckte ihm der Graf nie mehr als denkleinen Finger der rechte» Hand entgegen, und als Herbeck später zum Ritterdes Franz Josef-OrdenS ernannt worden war, änderte der Graf die Anredein den an Herbcck gerichteten Briefen vonEuer Wohlgeboren" ansEuerHochwohlgcboren" ab. Förmlich, wie er gelebt, wallte er auch sterben. Als ihneinmal eine Lungenentzündung auf's Krankenbett geworfen hatte, ließ er seineganze Familie znsammenrnfen und hielt eine wohlgesetzte, beinahe eineStunde andauernde Absthiedsrede. Merkwürdiger Weise verhalf ihm trotz derdamit verbundenen physischen Anstrengung seine gute Natur zur Genesung.Das sind wohl unschuldige kleine Züge, aber sie kennzeichnen den Menschen.Gewiß hätten unter Kuefstein'S Leitung die Knnstverhältnisse keine so gründliche

>) Graf Kucfstein war seit 1863 Protektor der Gesellschaft. Pohl, Soeietät S. 94.