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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
184
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Freundschaft" Schnbrrt'S bei allen sich darbietenden Gelegenheiten mit Vor-liebe etwas zn Gute that, und Beethoven mag ausnahmsweise nur auf dembei Hofe so beliebtenGnadenwege" in das Chor der Capelle gelangt sein.Dagegen waren Hahdn's und Mozart's Messen von früher her bereits so ein-gebürgert, daß ihre Entfernung, schon ans BeguemlichkeitSrücksichten, nicht gutthnnlich war und die Aufführung derselben gewohnheitsgemäß fortgesetzt wurde.Die Art und Weise, wie diese Meisterwerke aber in der Hofcapellc ausgeführtwurden, war eine derart unkünstlerischc und für das damals bestehende Regimebezeichnende, daß hier unbedingt ausführlicher davon gesprochen werde» muß.

Damil der Verfasser jedoch nicht etwa in die gefährliche Lage geräth,der Parteilichkeit beschuldigt zu werden, so führt er hier das schriftliche Zeugnis;eines Mannes wörtlich an, dessen hervorragender Specialkcnntnisse ans demGebiete der Kirchenmusik bereits am gehörigen Platze ausführlich Erwähnunggethan wurde (S. 30). In der ersten Zeit, als Hcrbcck die Hofcapelle leitete,richtete Graf Laurencin mehrere Briefe an ihn, ans welchen folgende, ansdie erwähnten Zustände sich beziehenden Stellen Platz finden mögen:

Nicht war, verehrter Freund, Sie erbarmen sich wohl des bisher ausde» Räumen der k. k. Hoskapelle durch schnöden Capellmcister- und Musikanten-Cigensin» verbannt gewesenenvonn, nobw" des in Frage stehenden Werkes(es handelt sich nämlich um Mozart's Messe in ks-ckur) und bringen es, wieeS liegt und steht? Ihre Vorfahrcr fanden das Stück ketzerisch, vermnthlichob der der Plagnl-Schlußcadenz unmittelbar vorangehende» Stelle. Die Kleinig-keitskrämer-Spürnase und der geschlängelte Zopf nahm Anstoß an Stellensolcher Art und fand sie unkirchlich in sciner hohen Afterweisheit, während dievon ihm höchsteigenhändig auf das geduldige Papier hingezeichneten Geigen-arabeskcn und Nnmpelbaßfigurc» als hoch kirchlich erklärt wurden. Unter der-artigem Sceirmcsser des alten Capeltmeistcr-Blödsinnes erlag gar vieles Großeder Vergangenheit. Sie, der auf aller Zeithöhe stehende Mann, haben dieschöne Sendung, in diesem Hinblicke rheilS aufränmcnd, theils wiederhcrstellendzn wirken. Glück auf! Dergleichen Vandalismus wird Ihne» das Archiv derHoskapelle die Fülle zeigen." ")

Hcrbcck antwortete dem Grafen:Wäre es mir nicht selbst Bedürfnis;am nächsten Sonntag auch die kNMcsse Mozart's ohne Barbarei anfzu-führcn und die Barbarei, wo sie mir nur unterkommt, überhaupt ansznmerzen,ich müßte cs schon Ihrer Knnstbcgeisterung zn Liebe thnn".?) Ein anderesmal schrieb der Graf in Betreff der Messe in v-moll von Michael Haydn:

Vergleichen Sie das einfach-hehre Fortschrciten des Streich- mit demSinggnartette in der Originalpartitnr mit der wahrhaft barbarischen Ver-brämung, die es seit Nrdenklichcm durch weiland hofkapellmeisterlichen Vandalis-mus an genannter Stelle bisher immer erfahren mußte! Sehen Sie sich ins-

y Brief des Grafen Laurencin vom t6. August 1866. Es ist dies nur ein neuer Beitragzu den Verstümmlungen undBearbeitungen", welche Mozart's Compofitioncu oft zu erduldenhatten. Siehe Ausführliches darüber bei Jahn, Mozart I. S. 269, II. S. 660 ff.y Brief vom 16. August 1866, Anhang S. 73.