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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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einige scheine Messen verdankt, im August 1861 gestorben war, wurde am10. September desselben Jahres Benedict Nandhartinger znm ersten Hofeapell-mcister ernannt. Nandhartinger hatte der Hofcapclle schon als Süngerknabeangehört. Vom Jahre 183646 war er Tenorist der Capelle, und 1844wurde ihm die Würde eines Vice-Hofcapellmeistcrs mit einem Gehalte von1000 Gulden verliehen. Eine leitende Stellung in diesem Institute einznnehmen,dazu aber besaß, wie im Folgenden dargclegt werden wird, Nandhartingerdurchaus nicht die nöthigen Fähigkeiten. Daß trotzdem eine solche Wahl ge-troffen werden konnte, erscheint »nr möglich, wenn man die allgemeinen musi-kalischen Zustände Wien's, die ohnehin bereits ausführlich besprochen wurden,hauptsächlich aber die Verhältnisse, welche am Hofe selbst bestimmend wirkten,näher in Betracht zieht.

Kaiser Franz Josef pflegt ans die Leitung der Kunst-Institute nurin den allcrseltcnstcn Fällen Einfluß zu nehmen, und es hatte also der ersteObersthofmeistcr, dem dieselben unterstellt waren, freie Hand. Zur Zeit, alsNandhartinger zum Hofeapellmcister ernannt wurde, war diese oberste Hofstellevon dem Fürsten Karl Liechtenstein besetzt. Er war Soldat und Cavalicr vonechtem Schrott und Korn. Der persönliche Verkehr mit dem Fürsten gestaltetesich, da ihn ein offener Charakter und ein freundliches Benehmen anszeichnete,äußerst angenehm, aber der Kunst stand er ziemlich ferne. Ein unglücklichesVerhängnis; wollte es aber, daß auch derjenige, dem nun die unmittelbareLeitung der Knnstangelegenheiten oblag, nicht nur den feinen Regungen, welchedie Kunst in allen ihren Formen auf das Gemüth des Menschen ausübt, sichverschloß, sondern noch obendrein der schönen Eigenschaften seines fürstlichenChefs: der Wohlwollenheit, des offenen Charakters, ja sogar der feine» 11m-gangsforme», welche bei Hofe sonst ja unerläßlich sind, gänzlich baar war. Esist darunter der k. k. Hofrath und Kanzlcidirector des Obcrsthofmeisternmtes,Philipp Dräxlcr von Carin gemeint. In sciner Jugend machten sich zwarschöne, Hoffnungen erweckende poetische Anlage» geltend. Er dichtete z. B. eineCantatePrometheus" und sandte das Gedicht dem ihm unbekannten Schubertein, welcher solchen Gefalle» daran fand, daß er eine Musik dazu schrieb.Die Cantate kam am Namenstage des Professors der politischen Wissenschaft,Heinrich Watteroth in Wien, im Jahre 1816 im häuslichen Kreise zur erstenAusführung, ging aber, wie schon früher erwähnt wurde, auf eine unaufgeklärteWeise verloren. Dieser Man», dessen poetischer Jugendarbeit in der Lebens-gcschichte eines der größten Componisten in ehrenvoller Weise Erwähnunggethan wird, kam später von dem eingcschlagcnen Wege vollkommen ab; diepraktischen Ziele des Lebens, die er sich gesteckt hatte, schienen ihn um dieIdeale der Jugend gänzlich gebracht zu haben. Und so sehen wir nach vierzigJahren den Cantatcndichter als verknöcherten Bnreaukrate», den idealistischen

') Kreißte, Schubert S. 83 f.