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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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freie Hand. Diese Einrichtung führte nach kurzer Zeit eine vollständige Ver-rottung des Institutes herbei.

Im Jahre 1772 war der Stand der Mitglieder ans zwanzig gesunken,unter welchen sich nicht einmal der für die einfachste kirchliche Cercmonie unent-behrliche Organist befand! Florian Gaßmann, dessen Verdiensten um das Musik-leben Wien's an anderer Stelle bereits ausführlicher gedacht wurde (S. 63),hauchte der Hofcapelle wieder neues Leben ein, aber seinem Nachfolger Bonnofehlte es au Kraft, das Werk des Vorgängers sortzusctzen. Vom Jahre 1790augefangcu erhielt sich der Stand der Capelle beinahe unverändert ans 50 Mit-glieder. H Auf Bonno folgten die Hofcapellmeister Salieri, Ehblcr und Aß-mayer. Unter diesen standen die Leistungen der Capelle wieder auf eineranständigen Höhe. Freilich darf nicht verschwiegen werden, daß bei Besetzungder Stellen die Kenntnisse und Fähigkeiten der Concnrrcnteu nicht immer maß-gebend waren. Als Salieri 1825 starb und durch die Vorrückung Eybler'sdie Vicc-Capellmcisterstclle frei wurde, bewarb Franz Schubert sich um die-selbe. Weuu Schubert auch nicht das Muster eines Dirigenten war und seinSchaffensdrang ihm auch wenig Zeit übrig ließ, einer anderen künstlerischenThätigkcit als dem Compouircn nachzugehen, so muß doch angenommen werden,daß der liederreichc Meister, der ja überdies einige nicht zu verachtende Messengeschrieben hat, Geschick genug besessen hätte, um die kirchlichen Aufführungenmindestens ebenso anständig leiten zu können, als dies Josef Weigl, welchenmau Schubert vorzog, im Stande war. Freilich darf eine solche Zurücksetzungnicht Wunder nehmen, wenn man bedenkt, daß auch Schubert, dem Com-pouistcn, die Pforten der Capelle versperrt blieben. Als der Meister ein Jahrvor seinem Tode dem Hofcapelliucistcr Eybler eine Messe mit der Bitte umAusführung überbrachte, äußerte dieser, daß er noch nie eine Compositionvon ihm gehört Hütte! Und die Antwort nach Durchsicht der Messe lautete,daß ihm das Werk wohl gefiele, daß er jedoch NN eine Aufführung desselbennicht denken könnte, weil der Kaiser den Styl nicht liebte, in dem sie componirtwäre. 2) Als Aßmayer, dem die Musiklitcratnr eine wcrthvolle Bereicherung um

>) Es waren angcstcllt: 1 Kapellmeister, 1 Vice-Capcllmcister, 10 Sängcrknaben, 4 Tcnor-und 4 Baßsängcr, 2 Organisten, 12 Violinisten, 2 Cellisten, 2 Contrabassistcn, 2 Oboisten,2 Clarinettistcn, 2 Fagottisten, 2 Hornisten, 2 Posaunisten und 1 Flötist. Trompeter undPauker, welche dem Kaiser auch in's Feld folgen mußten, standen unter der Disciplinar-gcwalt des Stallmeistcramtes und waren der Hofcapelle bloszur Dienstleistung zugcthcilt",welcher Gebrauch heute noch besteht. Eine ähnliche Einrichtung wies die erzbischöflicheCapelle in Salzburg (Jahn Mozart I. S. 236) und die kurfürstliche Capelle zu Bonn(Thaher, Beethoven I. 50 f.) auf. Die sämmtlichen deutschen Hoftrompcter und Paukerbildeten in früheren Zeiten eine mit verschiedenen Privilegien versehene Innung, welcherder Kurfürst von Sachsen als Patron Vorstand. (Fürstenau, Musik und Theater am Hofe zuDresden I. S. 197 ff.)

2) Kreißte, Schubert S. 277 ff. Solche Ausreden werden gewöhnlich gebraucht, wennman das Odium des Brodncidcs von sich abwälzcn will.