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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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mußte Herbeck Einladungen zu Diners, Soirven re. Folge leisten, und cS wardgewöhnlich Mitternacht, bis er sich zur Ruhe begeben wollte. Er hatte näm-lich die, seiner Gesundheit nicht eben zuträgliche Gewohnheit, vor dem Schlafen-gehen noch eine Schale schwarzen Kaffee zn sich zu nehmen. Wo der relativ besteMokka servirt wurde, war ihm bald bekannt geworden, und er zog, mochte esnoch so spät sein, in Gesellschaft einiger Herren, allnächtlich nach dem Nestanrantam Bahnhofe, um seine»Schwarzen" zn nehme».Auf den Schwarz'n kannBezug haben", schreibt vr. Sommer nachträglich an Herbeck,daß ein hiesigerSpeccreihändler mich neulich fragte, weßhalb wohl seine Kaffecliefcrungen fürden Bahnhof so plötzlich abgenommen?" Wenn die Stunde znm Nachhanscgchennnwidcrrnflich geschlagen hatte, dann brannte Herbeck noch eine letzte Cigarrean, deren Ucbcrblcibscl er bis zum nächsten Morgen anfbewahrtc, den» derGenuß dieses Stummels nach dem Frühstücke war für ihn ei» imnt-Aonk,den er sich nicht um vieles Geld hätte nehmen lassen. Auch sein Frühstück warsonderbar. Es bestand ans Obst (zn jener Jahreszeit ansRibisel" (Johannis-beere»)) und schwarzem Kaffee, lind alle diese kleinen Gewohnheiten hatte seinGastgeber erlauscht und sorgte dafür, daß ihm nichts seine häusliche Bequem-lichkeit missen ließ.

So war der erste Festtag herangcnaht. Die Coneerte fanden in derihrem Zwecke längst entzogenen Aegidienkirche derselben, in welcher LouisSpohr die Taufe empfangen einem großen, akustischen Gebäude statt. Esist ein alter, ehrwürdiger, zwischen dem Sterbchansc Lessing's und jenem Platze,welchen nun das Monument des Dichters ziert, gelegener Ban, an dessen ver-witterten, aber noch festen Mauern dichte Ephenrankcn sich hinanwindc». Daserste Concert fand am 10. Juni um 5^/2 Uhr Abends statt. Das Bild,welches sich den in die festlich geschmückte Kirche Eintrctcnden darbot, war eingroßartiges, ergreifendes: ein in gespanntester Stimmung befindliches, gewähltes'Publicum, darunter auch eine große Anzahl reizender Frauen und Mädchen;ein, nur dem Winke des Dirigenten harrendes Orchester von weit über hundertMann; ein imposanter Singchor von vierhundert Personen und im Hinter-gründe die eigens zn dieser Gelegenheit ausgestellte königliche Orgel! Nachdem, von Abt dirigirten, gewissermaßen als Einleitung dienenden Lruielns ausder H-moll-Messe von Bach kam unter Herbeck's Leitung das Hauptwerk desMnsikfestes: das OratoriumSamson" von Händel an die Reihe.

Die Wirkung, welche diese großartige Schöpfung in der gebotenen Auf-führung hervorbrachtc, war unbeschreiblich.Von der ergreifende» Gewalt derChöre, wie z. B.Hör' Jacob's Gott", des Schlußchores der zweite» Abthcilung,und vollends des letzten Schlnßchores kann sich niemand, der sic nicht gehörthat, eine Vorstellung machen", schreibt ein Ohren- und Augenzeuge. >) Dievier Künstler, welche die Solopartien inne hatten: Frau Dnstmann (Delila),

') Fremdeablatt vom 13. Juni 1865.