172
die „Romanze vom Günsebnben" von Schumann, endlich die von ihm fürChor bearbeitete „Litaney" Schubert's vor. Er legte Gewicht darauf, daß auchder reine gemischte Chor edelster Gattung vertreten wäre, und überdies meinteer, würde» diese Chöre zwischen den zur Aufführung bestimmten „Jphigcnie"-Scenen von Gluck und der lX. Symphonie „einen ganz wundervollen Nuhe-pnnct bilden".') Bon den vorgeschlagcnen Chören kam indes; nur die „Litaney"zur Aufführung. Statt Mendelssohn und Schumann wurde die „Hymne andie Gottheit" von W. MeveS, einem verdienten Braunschwcigcr Musiker, ein-geschobe». Auch der „Anakreon"-Ouvcrture von Chernbini war Herbeck ei»eifriger Fürsprecher; um ihretwillen, „da selbe eines der glänzendsten Orchester-stücke ist und ihre unwiderstehliche Frische einen scharfen aber künstlerischenContrast abgibt," verzichtete er lieber ans eine vorgeschlagene Ouvertüre seinesAbgottes Schubert.
Dem Comits war daran gelegen, womöglich die ersten Kräfte Deutsch-lands zur Mitwirkung zu gewinnen. Für die Darstellung des Samson wurdeSchnorr von Carolsfeld gewühlt, welcher jedoch unter Berufung auf ander-weitige gleichzeitige Beschäftigung ablehnte. Es galt daher, eine andere Wahlzu treffen, und man verfiel auf Gustav Walter in Wien. Nun war es keineleichte Sache, diesen Sänger zu gewinnen, da er von Schnorr'S Berufungbereits in den Zeitungen gelesen hatte, und es war ein kleiner diplomatischerCoup »öthig, um den gewünschten Zweck zu erreiche». 2 ) Die Wahl der mitwir-kcnden Damen Bettelheim und Dustmanu geschah über Hcrbeck's Vorschlag.„Was Fräulein Bettelheim betrifft," schreibt er, „so glaube ich nicht, daß Siegegenwärtig eine zweite Altistin in Deutschland finden werden, die ihr's gleichthut." 3) Die Wahl des Barytonisten Hill winde vom Coiuits getroffen;Herbeck, der ihn zwar vorher nie gehört hatte, dem er aber von Walter alsein vorzüglicher Sänger geschildert worden war, erklärte sich damit vollkommeneinverstanden.')
Der Chor war ans de» Singvereinen von Braunschwcig, Halberstadt,Hildesheim, Quedlinburg und Wolfenbüttcl, das Orchester ans Mitgliedernder Hofeapellen von Brannschweig, Detmold und Hannover gebildet. Da diezuletzt genannte Capelle vollzählig mitwirkte, so gebot eine Pflicht der Artigkeit,auch ihren Dirigenten, Hofcapeltmeister Karl Ludwig Fischer, den NachfolgerMarschner's am Dirigcntenstnhle, zur thütigen Betheiligung zu laden. Dadurchgerieth das Comitö sowohl als Herbcck in Verlegenheit, und cs wäre bald zuMißhelligkeitcu gekommen, die mit einer Absage Hcrbeck's geendigt hätten.
y Brief vom 22. Januar 1865, Anhang S. 64.
2) Brief vom 4. Januar 1865, Anhang S. 64.b) Brief vom 29. Deccmber 1864, Anhang S. 64.y Brief vom 22. Januar 1865, Anhang S. 64.y Brief vom 13. Mai 1865, Anhang S. 68.