einunddreißig Jahre nach seiner Erschaffung — nnker Herbcck 1859 — fanddieses Werk annähernd jene liebedolle Aufnahme, die eS verdient. (Vcrgl. S. 93.)Daß die O-Symphonie eine, von demselben Meister geschaffene Rivalin habe,welche ein in vieler Beziehung ähnliches Schicksal zu erdulden hatte, ahntewohl niemand, am allerwenigsten Herbcck.
Im Jahre 1860 machte er die Bekanntschaft eines österreichischen Staats-beamten Namens Josef Hüttenbrenner,') welcher in seinen Mußestunden eifrigMusik trieb. Er war ein Bruder des damals ln Graz lebenden ComponistcnAnselm Hnttenbrenncr, eines persönlichen Freundes Schubert's, der aber wegenseiner beständigen Lobhudeleien dem Meister häufig lästig fiel.-) Durch Joseferfuhr nun Herbcck von der Existenz eines Symphonie-Fragmentes von Schubert,welches in dem Besitze Anselm's sich befinden sollte. Wie dieses in seinenBesitz kam, darüber gibt der folgende, eine treffende Charakteristik des Schreibersenthaltende Brief kurzen Aufschluß.
Wien, 8./3. 1860,im M(inisterium) d(es) J(nnern).
Verehrter Herr v. Herbeck!
Ich bitte nur znm Sonntags-Conzerte durch H. v. Meuterer 3) oder H. Kunst-händler v. Wessely (beyde Herrn sehe ich fast täglich, Ersteren im Ministcrio,Letzteren Abends) gefällig znkommen zu lassen. H Da ich jetzt Freyherr bi», sowünschte ich auch Ihrem Vereine beitrctcn zu können, ». zwar, erschrecken Sienicht, als primo Vonoro ns8oIuto! Nachdem Wild 5) n. Vogel") noch inhohen Jahren cffektuirtcn, so hoffe ich es auch noch — Freund Nejebse, H mitwelchem ich noch unter Schubert's Zeiten Quartetten sang, verfügt auch nochüber eine» guten kräftigen Baß unter Ihrem Commando.
Hauptsächlich wäre es mir aber zu thun, daß Sie unter Anselm's200 Quartetten und Chören eine Auswahl träfen, um von diesen: vergrabenenVocal-Musik-Schatze Einiges nach und nach zur Geltung zu bringe». DerGrazer u. Marburger Männer-Gesangs-Verein prodncirt wohl ManchmalChöre aus demselben, allein diese Töne dringen nicht über die Gränzen derStyria -
Jngleichen bin ich bemüht, Anselm's Lieder, Gesänge u. Balladen über200 an der Zahl in's Leben zu rufen — man kam: sie unbedingt die Fort-setzung der SchuberM Gesänge nenne».
y Schubert hat ihm das Lied „Die Erwartung" gewidmet. Nottebohm, Schubert-Katalog S. 129.
y Kreißte, Schubert. S. 124 ff.y Amtscollege Hütteubreuncr's, ein vorzüglicher Cellist.
y Der Satz ist unvollständig; vermuthlich handelt cs sich um eine Eintrittskarte,y Franz Wild f 70 Jahre alt als Pens. Hofopcrnsnuger am 2. Jänner 1860 in Wien.Er sang noch fünf Tage vor seinem Tode Schuberts Ständchen znm Entzücken aller An-wesenden. Franz Wild, Blätter der Erinnerung, Wien 1860.
lieber Vogts (nicht Vogel) Beziehungen zu Schubert vergl. Kreißte, SchubertS. 112 sf.
y Wenzel Nejebse s. Kreißte, Schubert S. 207. Er gehörte den: Männer-Gcsang-Vereineseit der Gründung 1843, dem Singvereine von 1858—65 an.