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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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Letzteren führte ihn ein guter Stern zu Ferdinand Schubert, dem damals nochlebenden Bruder des großen Compouistcn. Ferdinand, selbst ein talentvollerKünstler, hatte in einer Vorstadt Wicn's ein nicht gerade üppiges Heim auf-geschlagen, welches einen wahren Schatz Schnbcrt'schcr Mannscripte barg. Hierfand Schumann sieben Symphonien vor. Die siebente, im Todesjahre Schnbert'Sgeschaffene (in 6), erregte Schumann's Bewunderung i» solch' hohem Grade, daßer Ferdinand sofort das Versprechen abnahm, ihm das Mannscript behufs einerAufführung nach Leipzig zu schicken.

Wie Schumann, der Nichtwicner, so treffend auf de» ersten Blickerkannte, was Dutzende wienerischer Dnrchschnittsmnsikantcn nicht sehen konntenoder wollten; wie der nordische Meister sofort das richtige Urthcil über diesegrandiose, aus dem üppigen Wiener Boden förmlich herausgewachscne Tou-schöpfnng fällte, das zeugen am deutlichsten seine über diese Symphonie uiedcr-geschriebenen Worte:

..erlaben wir uns nun an der Fülle Geistes, die aus diesem

kostbaren Werke quillt. Es ist wahr, dies Wien mit seinem Stefansthnrm,seinen schönen Frauen, seinem öffentlichen Gepränge, und wie cS von derDonau mit unzähligen Bändern umgürtet, sich in die blühende Ebene hiustrcckt,die nach und nach immer zu höherem Gebirge anfstcigt, dies Wie» mit all'seine» Erinnerungen an die größten deutschen Meister muß der Phantasie desMusikers ein fruchtbares Erdreich sein. Oft, wenn ich es von Gebirgshöhcnbetrachtete, kam mir's in Sinn, wie nach jener fernen Alpcnrcihe wohlmanchmal Bcethovcn's Auge nnstät hinübergcschwcift, wie Mozart träumerischoft den Lauf der Donau, die überall in Busch und Wald zu verschwimmenscheint, verfolgt haben mag und Vater Haydn wohl oft den Stefansthnrmsich beschaut, den Kopf schüttelnd über so schwindelnde Höhe. Die Bilder desStcfansthurmS und des fernen Alpengcbirgs zusammcngedrängt und mit einemleisen katholischen Wcihranchdnft überzogen, und man hat eines von Wie»,und steht nun vollends die reizende Landschaft lebendig vor uns, so werdenwohl auch Saiten rege, die sonst nimmer in n»§ erklungen haben würden. Beider Symphonie von Schubert, dem Hellen, blühenden, romantischen Leben darin,taucht mir heute die Stadt deutlicher als je wieder auf, wird es mir wiederrecht klar, wie gerade in dieser Umgebung solche Werke geboren werden können."

Doch, unterbrechen wir Schumann. Es wäre verlockend, alles uachzu-schreibcn, was er über die Symphonie Schönes und Bedeutendes gesagt —-genug, ei» wahrer Künstler von Gottes Gnaden nahm sich endlich des ver-waisten Kindes an. ") Es ist nicht eben ehrenhaft für Wien, daß die Symphonienach Leipzig wandcrtc, und dort in einem Gewandhaus-Eoncerte unter Mendcls-sohn's Leitung (31. Mürz 1839) zum ersten male aufgcführt wurde.

Einige Monyte darauf zahlte Wien seine Ehrenschuld dem todtcu Meisterab, aber in welcher Weise! Man führte zwei Sätze, zwischen welche die Bravour-arie aus „Lucia" ciugeschobeu war, auf. Auch die späteren würdevolleren Aus-führungen waren nicht im Stande, das Wiener Publicum zu erwärmen, erst

y Schumann, „die O-änr-Symphonie von Franz Schubert" ges. Schriften II. S. 138 ff.

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