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wohl etwas zopfigen Zelter, welcher damals der musikalische Herrgott in Berlinwar, zn erlangen, hat Eduard Devrient berichtet.') Zelter setzte nämlich de»Bestrebungen Mendelssohn's seine Meinung, daß jenes Werk veraltet wäre undfnr's Publicum durchaus nicht paßte, energisch entgegen. 2 ) In Wien konnte sichdie Singakademie rühmen, das Publicum mit der MatthänS-Passion bekanntgemacht zu haben, indem sie 1862 dieselbe zum ersten male aufftthrte. 2 ) Keines-falls standen aber diesem Institute die Mittel, welche zu einer musterhaftenDurchführung dieser schwierigen Aufgabe nothwcudig sind, und wie sic dieGesellschaft der Musikfreunde besaß, zur Verfügung, am allerwenigsten hattedie Singakademie einen Dirigenten wie Herbeck. Bei der Ausführung durch dieGesellschaft der Musikfreunde lagen die Solopartien nicht allein in bewährtenHände», sie waren vielmehr Künstlern ersten Ranges anvcrtrant. Man brauchtdie Namen Marie Wilt und Marianne Brandt wohl nur zu nennen, um damitauch schon zu sagen, daß die Frauenpartien geradezu glänzend durchgcführt wurden;auch die Namen Gunz und Panzer sind dem Leser vorthcilhaft bekannt, denner weiß, daß beide ,zu den hervorragendsten Vertretern des Concert-Sängerthumsin den Sechziger Jahren gehörten; Hellmesberger versteht auch beim strengenBach einen poetischen Zauber über die Wirkung der Violinen, an deren Spitzeer steht, zu gießen, und Nottebohm war ein strenger, aber verstündnißvollerBegleiter der Recitative am Clavier: und so konnte es nicht fehlen, daß diePassion in allen Theilen eine glänzende Wiedergabe erfuhr und das andächtiglauschende Publicum bis zu den letzten Accorden zu fesseln vermochte. VaterBach wurde an diesem Tage wieder jung.
Aber ganz merkwürdiger Weise fand die Direktion der Musikfreundegerade angesichts solch' ansgezeichneter Leistungen sich veranlaßt, Herbcck fühlenzu lassen, daß es nicht immer praktisch wäre, von dem natürlichen Rechte derRedefreiheit Gebrauch zu mache» gegenüber einer Versammlung, von der manin gewisser Richtung in einem Verhältnisse der Abhängigkeit steht. Gelegentlicheiner Debatte im Schoße der Direktion hat Herbcck scharfe Worte fallen gelassen,welche hauptsächlich gegen das anscheinend recht geschäftige, im Grunde genommenaber zwecklose Treiben einzelner Mitglieder derselben gerichtet waren. (DerWiener Dialect bezeichnet solche Leute mit dem treffenden Ansdrucke „G'schaftl-huber".') Kurze Zeit darauf erfolgte die Zucrkennung der gewohnte» Tantiemeund Remuneration, diesmal in einer cigenthümlichcn Art. Herbcck bezog seitdem Jahre 1862 eine, gewissermaßen schon zum fixen Gehalte gewordene Remu-neration von 200 sl. und eine vertragsmäßig fcstgestellte Tantiöme von derReineinnahme der außerordentlichen Conccrtc. Da diese Tantimnc für die Saison
>) Devrient, Erinuerimgen an Mendelssohn S. 49 ff.
2 ) Vollkommen bekehrt berichtet Zelter über diese Anfsührnng in begeisterten Worten anGoethe. Briefwechsel zwischen Goethe nnd Zelter V. S. 187.
3) Hanslick, a. d. Conccrtsaal S. 243.
h Vcrgl. Schlnßstelle des Briefes vom 8. April 1869, Anhang S. 82.
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