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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
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sich bei der „Pfeife" der Gevatter Schuster und Schneider, um bei einem odermehreren Krügen Bier die comnnalen und politischen Ereignisse zu bespreche».

Spcciell zur Musik hat Beziehung, daß im ersten Hofe des Hauses all-täglich um gewisse Stunden von hcrumziehendcn Musikanten Prodnctioncn ab-gehalten wurde» — welcher Gebrauch heute noch besteht — und daß zur Zeit,als Herbeck seinen Einzug hielt, der Trattnerhof einer äußerst kunstliebendenDame, Marie Frei!» von Lederer geborene v. Trattnern, gehörte. Sic wartrotz des vorgerückten Alters von lebhaftem Geiste, liebenswürdigen Umgangs-formen und sehr einfache» Sitten. Bei allem Interesse, das sie an neuen Er-scheinungen nahm, war ihr ein conservativer Sinn eigen, der nicht gern duldete,daß gewisse, seit altersher gebräuchliche Einrichtungen abgeschafft wurden. Sobefand sich noch zu Anfang der Sicbcnziger Jahre ein Nachtwächter im Hause,der in de» Hofräumen jede Stunde auSrufcn mußte. So lange eine Wohnungvon einer und derselben MiethSpartci bewohnt wurde, trat in dem Miethpreisekeine Erhöhung ein. Fürwahr, es dürfte heutzutage wenige solcher edel den-kender Hausbesitzer in Wien geben!

Die Liebe der Baronin zur Musik war eine außerordentlich rege, undfür Herbeck fühlte sie eine warme Verehrung. Er wurde eingeladen, ihreSoirsen zu besuchen, welche stets einen Kreis bürgerlicher und adeliger Gästei» zwangloser Weise vereinigte, und ein Privat-Gesang-Vercin Namens „Viola",den die Baronin ans Dilettanten zusammengestellt hatte, verherrlichte dieseintimen Feste durch seine Vorträge. Oft und oft wurde Hcrbcck dort durch denVortrag eines seiner gemischten Chöre freudig überrascht. Zur Zeit, als Hcrbeckschon an der Leitung des Hofopcrntheatcrs theilnahm, empfahl er, damit derVerein eine künstlerisch-feste Direction erhielte, der Baronin den als Correpe-titor am Theater thätig gewesenen Josef Sucher (den heutigen Capellmeisteram Hamburger Stadttheater) als Dirigenten. Er leitete mehrere Jahre hin-durch, beinahe bis zu seinem Abgänge von Wien, die Probe» und Aufführungender „Viola".

Hcrbcck war mit seiner neuen, im 4. Stockwerke gelegenen Wohnungsehr zufrieden. Er wüßte jetzt erst, sagte er oft, was Luft und Licht wäre undvermochte cs nicht zu begreife», wie er es jahrelang in einer dumpfen undfinsteren Wohnung hatte anshalten könne». Das alte Clavier wurde min, daRaum genug vorhanden war, in die Reserve versetzt, und ein prächtiger neuerFlügel, ein Fabrikat und großmüthiges Geschenk Ludwig Bösendorfer's dienteihm voll nun an zum Gebrauche.

Im 2. Gesellschafts-Concerte am 11. April 1865 erlebte die Passions-mnsik nach dem Evangelisten Matthäus von Johann Sebastian Bach die erstebedeutende und wirklich großartige Ausführung in Wie». Das Verdienst, dieseSchöpfung einer 100 jährigen, unwürdigen Vergessenheit entrissen zu haben,gebührt Felix Mendelssohn (1829). Was dieser zu kämpfen hatte, um dieEinwilligung zu einer Aufführung der Passionsmnsik voll dem derben und