einem seltene» Adel der Seele und de» besten pädagogischen Grundsätzen erfülltenCornelius. Allein das „Stübchen" war vorläufig nicht vorhanden, und alsHerbcck 1865 seine neue räumlichere Wohnung bezog, war der edle Freundnicht mehr in Wien. Er war kurz vorher über Anregung Wagner's als Professoran die k. Musikschule nach München berufen worden >) und hörte kurz vorseiner Abreise noch das Concert mit dem „Jägerlied". Er schrieb darüber insein Tagebuch: „Am 27. November war ein schönes Eonzert bei den Musik-freunden, Tanßig spielte die Wandererphantasie und die Rhapsodie von Liszt mitOrchester. Von Herbeck wurde ein altes Jägerlied „Trarah!" gesungen, ganzüberaus schön." ?)
Besondere Mühe verursachte das Einstudiren eines Coneertcs des Männer-Gesang-Vereines (am 11. Dccembcr), dessen Programm mit Ausnahme vonSchnbert's „Nachtigall" neue Nummern enthielt. Es hatte so gar nicht den her-kömmlichen liedertafcligen Zuschnitt. Nur zwei Chöre waren rein vocal, diedrei größere» Novitäten: Schumann's Ballade „Das Glück von Edeuhall",Berlioz' „Soldaten- und Stndcnten-Chor" aus „Faust", endlich Richard Wagner's„Das Liebesmahl der Apostel" wurden mit Begleitung von Orchester, die übrigenChöre mit Begleitung des Claviercs gesungen — mau sieht, das Feld des Männcr-gesangcs ist doch nicht gar so monoton.
Einen würdigen Abschluß des Jahres bildete die dritte Aufführung vonBeethoven's inmsa, solomum am 18. December. Diesmal wurde die Sopran-partie von der ersten Sängerin des Pester Natioual-Theatcrs, Fräulein Carina-— einer jungen Wienerin mit dem eigentlichen Namen Schmeidler — gesungen,die übrige Besetzung war die bekannte: Bcttelheim, Erl, Panzer; das Violin-solo im llkutzäietus spielte Hellmesberger hochpoctisch und mit einer himmlischenReinheit des Ausdruckes, lieber Herbeck's Leistung, der auch diesmal sowohlProben wie Aufführung ohne Partitur leitete, war nur eine Stimme des Ent-zückens. „Es war ein Kunstwerk", sagt ein Ohren- und Augenzeuge, „wieer dirigirte. Er reproducirte Beethoven's Messe frei aus sich heraus, er schienfür jeden aus der nugeheucru Masse der Mitwirkeuden besonders anwesendzu sein und verlor doch das Große und Ganze der Aufgabe keinen Momentans den Augen". P Mit Recht schließt ei» anderer seinen Bericht: „SolcheTage wie gestern sind ein Stolz für Wicn".H
Der Kreis der Wiener Kunstgemeinde ward im Winter 1865 von eineinrecht empfindlichen Verluste betroffen. Franz Schierer, durch lauge Jahre Mit-glied und seit 1860 Vorstand des Männcr-Gesang-Vereines erlag am 20. Fe-bruar 1865 einer langwierigen Krankheit. In ihm verlor Herbeck einen Freund,
0 Neue Zeitschrift für Musik, Leipzig 1874 Nr. 51, 52, 1875 Nr. 1.h Nach einer gütigen Mittheilnng der Witwe Cornelius.
-h Fremdcnblatt Nr. 350, I. 1864.
„Glocke" Nr. 501, I. 1864.