ersten GesellschaftS-Concerte. Das zweite wurde mit einer Suite in U molkvon Franz Lachner unter dessen persönlicher Leitung eröffnet. Er war keinFremder. Als junger Mann kam Lachner nach Wien, wo er k826—34 eineCapcllmeistcrstclle am Kärntncrthor-Theater bekleidete. Er wurde, als er an'sDirigentcnpnlt trat, gleichsam als „alter Bekannter" sympathisch begrüßt, undsein in der That reizendes Werk gefiel außerordentlich. Der Suite folgte Herbeck's„Wcihnachtslicd" und Schnbert's, von LiSzt orchcstrirtc Phantasie i» 6, gespieltvom Meister Taussig. Darauf „alte deutsche Lieder" und zwar: „Ein Lied vomRosengarten" („componirt 1596 von Hans Leo Häßler") und das „Jügerlied".Der aufmerksame Leser wird wisse», daß HanS Leo Häßler iu diesem FalleJohanu Herbcck heiße» soll und daß die Zeit der Entstehung des Liedes richtigmit 1864 auzunchme» ist. Beide Lieder fanden den ungethciltcn Beifall desPublicums und der Kritik.
Hanslik, welcher die darauffolgende Phantasie über ungarische Volksliedervon Liszt total absprechcnd behandelt, schreibt:
„Vielleicht waren wir doppelt empfindlich dadurch, daß die schmutzigeNomantik dieses Zigeuncrbivouaks unmittelbar auf zwei alte Chorlieder folgte,die mit ihrer himmlischen Reinheit und Einfachheit alle Herzen ergriffenhatten. Wir meinen Haßler's „Lied vom Rosengarten" (1596) und das von
Herbeck trefflich harmonisirte alte „Jägcrlicd"." und die Ausführung
berührend: „Solche Weichheit und Fülle des Klanges, solch zartes Anschwellenund Absterbeu, so musterhafte Behandlung des Wortes ist uns kaum bei irgendwelcher Chorprodnction je vorgekommcn. Das Publicum schien förmlich zuschwelgen." i)
Unter dem förmlich „schwelgenden" Publicum befand sich auch ei» deutscherMusiker und Schriftsteller, der durch einen mehrjährigen Aufenthalt in WienHerbeck's hervorragende Talente nach Verdienst schätzen gelernt hatte: PeterCornelius. Er machte, wie der Leser bereits erfahren hat, Herbeck's Bekanntschaftim Jahre 1857 in Weimar und verfestigte, zwei Jahre später nach Wien über-siedelt, die angeknüpften Beziehungen zu einem dauernden Freundschaftsbunde.Cornelius war eine mehr in sich gekehrte, aber deshalb durchaus nicht zurMelancholie neigende, hervorragend musikalisch wie auch poetisch veranlagteNatur. Während seines Wiener Aufenthaltes war er hauptsächlich in schrift-stellerischer Richtung thütig. Er sammelte hier seine lyrischen Dichtungen, »insie zu veröffentlichen (Pest 1861) und übersetzte Liszt's Schrift ,1m »Eigus«las Lollormsim eu HoriArio" in's Deutsche (Pest 1861). Er hatte eine leiden-schaftliche Vorliebe für die Erziehung von Kindern und machte Herbeck oft denAntrag, er möge ihm die seiner Knaben gänzlich überlassen. „Ich verlange nichtsanderes dafür, als ein ganz kleines bescheidenes Stübchen i» deiner Wohnung",sagte er oft zu Herbeck, und in der That konnte ein Vater niemandem die Er-ziehung seiner Söhne mit mehr Beruhigung anvcrtrauen, als gerade dem, von
') „Neue Freie Presse" I. Deeember 1864.