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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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wiederholt zur größte» Begeisterung hi», und Stelle», wie „Und er ging hinausund weinte bitterlich" rührten bis zu Thränen; freilich sein Partner am Clavier,der die Recitative begleitete, Gustav Nottebohin, der Verfasser des thematischenSchubert-Kataloges, ein tiefer Kenner Bach's, hatte wohl auch seinen gutenThcil an dem Erfolge. H Das rege Interesse, welches das Publicum an derAusführung nahm, hat aber bewiesen, daß der vielfach ausgestellte Satz, derWiener habe keinen Sinn für „ernste" Musik, nicht richtig ist, wenn andersnur die Ausführung derselben correct ist und mit Verständnis; geleitet wird.

Die nach den Concertcn eingctretenc kurze Muße benutzte Herbeck zurComposition einiger Mannerchöre, wozu er die Texte ans I. N. Vogl's „Poesiebeim Weine" wählte. Er war mit dem Dichter persönlich bekannt, und dieserhatte ihm die Lieder mit dem ausdrücklichen Bemerken übersandt, daß einigederselben sich für Männergesang eignen dürften. Hcrbeck componirte vierGedichte aus dem Chklus, wovon in Wien jedoch nur der Chor „Was unsliebt und was wir lieben" aufgcführt wurde. Ei» liebenswürdiger, humoristischerTon herrscht in diesen anspruchslosen Gesängen vor. Herbeck erhielt hierfürvom Verleger Haslinger ein Honorar von 00 fl. ö. W.'')

Schon zu Anfang des Jahres 1864 hatte Baron Perfall, welcherinzwischen Intendant des Hoftheaters in München geworden war, Hcrbeck denAntrag gestellt, er möge eine Cnpellmeisterstellc am dortigen Hoftheater über-nehmen. ') Herbeck fühlte sich begreiflicher Weise sehr geehrt durch diese Berufung,und vielerlei Umstände, besonders aber ein kunstsinniger König und ein Intendant,der Hcrbeck's Knnstprincipicn kannte und hochschützte und außerdem ihm ei»treuer Freund war („zwei weiße Naben" wie Herbcck sich nnsdrückt) mußtenihm die angcbvtenc Münchener Stellung verlockend erscheinen lassen. Allein derUmstand, daß er trotz aller Anfeindungen sich in Wien bereits eine sichereStellung errungen hatte, um die er in München vielleicht von neuem Hüttekämpfen müssen, hauptsächlich aber die Liebe zu seiner Vaterstadt vcranlaßtenihn, ans Perfall's Antrag zu verzichten. Herbcck schrieb eigentlich keinen Absage-brief, sondern machte die Entscheidung von dem Erfolge, welchen er gelegentlichder geplanten Aufführung seiner Symphonie in München als Componist undhauptsächlich als Dirigent erringe» würde, abhängig. Da es aber zu einersolchen Production nicht kam, so blieb alles beim Alten, und es war später,besonders nachdem Hcrbeck erster Hofcapellmeister in Wien geworden war, nicht

') Wie klar mW verständlich die Nccitativc bei einer vcrständnißinnigcn Clavierbegleitaug hervortrcten, hat diese Anffnhrnng gezeigt. 11m so unerklärlicher muß der Beschluß derGesellschaft der Musikfreunde erscheinen, dieselben Recitative bei einer Anffnhrnng derJohannis-Passion in, Jahre 1882 von der Orgel begleiten zu lassen,y Brief Vogts vom 30. März 1864.

y Hcrbeck's Einnahmen vom Jahre 1864 ab sind aus genau geführten, eigenhändigenAusschreibungen zu entnehmen.

y Brief Perfall's vom 8. Jänner 1864.