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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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Ortrud das Publicum begeistert. Als Herbeck zur Oper kam, war cs ihmvergönnt, der Sängerin noch mehrere male zn begegnen .....

Die Leistungen des Chores und Orchesters in der „Faust"-Anfführungwaren von einer Feinheit und Präcision, wie eine solche bei großen Concertenwohl selten zu beobachten sein wird, was auch die Kritik beinahe ausnahmslosanerkannte. Freilich war dieselbe in Beziehung ans Hcrbcck's Auffassung mancherMusikstücke nicht immer einer Ansicht. Als er im 4. Gesellschafts-Concerte(28. Februar 1864) das ^.IIsArstto der 8. Symphonie Beethoven's (P-äur)um einige Schwingungen rascher genommen hatte, als herkömmlich, wurde ervon HanSlick lebhaft getadelt. Der Kritiker behauptete, das Tonstück hätte„diesmal seine eigenthttmlich vornehme ausdrucksvolle Grazie cingcbüßt", wo-gegen der Musik-Schriftsteller des „Vaterland" wieder die Meinung vertrat,gerade so wie Herbeck das Tempo nähme, wäre cs recht. H lieber Temposachenläßt sich schwer streiten, aber soviel ist gewiß, daß jedes Musikstück nur einrichtiges Tempo hat, welches eingehalten werden muß, soll das höchste Gefühlklaren Verständnisses beim Hörer aufkommen. Da es nun erwiesen ist, daßHerbcck auch die schwierigsten Musikstücke in einer seltenen plastischen Klarheitans dem Orchester herauszuzaubcrn verstand, so daß auch bei Stellen, welcheunter anderen Dirigenten unverstanden vorübcrgingen, dem Hörer ganz unver-mnthct ein vollkommenes Verständniß aufging, so ergibt sich die Thatsachc darausvon selbst, daß Herbcck — Ausnahmsfülle abgerechnet — wohl immer das richtigeTempo traf. In Johann Sebastian Bach's Partituren finden wir denn auch nurselten die Tempi verzeichnet. Bach wollte allerdings damit nicht sagen, daß dasZeitmaß nun bis zur nächsten Vorzeichnnng sich immer gleich bleiben müsse.Diese Sparsamkeit mit Tinte und Feder ist vielmehr, wie R. Wagner treffendbemerkt („Ueber das Dirigiren"), dem richtigen Grundsätze, von dem Bachausging, znzuschreiben, daß ein Dirigent, der seine Werke verstände, auch dasrichtige Tempo treffen müsse, der andere aber, dein dies Verständniß fehle,jenes trotz der Vorzeichnnng nicht treffen würde.

Musterhaft war die Art und Weise der Vorführung der Johannis-Passion durch Herbeck im Frühling 1864. Wie alle Werke, deren Leitungihm anvertraut war, hatte er auch diese Passion, welche zwar an ihreSchwester, die „Matthäus-Passion", nicht hinanrcicht, aber neben vielemInteressanten, auch hoch bedeutende Stellen enthält, mit innigem Verständ-nisse in sich ausgenommen und auch für eine geeignete Besetzung der Solo-partien Sorge getragen.b) Besonders Gustav Walter riß das Publicum

') Vergleiche Hanslick, a. d. Conccrtsaal S. 318.

2) Vaterland V. Jahrg. S. 60. Glücklicher Weise entging er diesmal der Gefahr, ineinen Federkrieg, wie Hanslick nnd Speidel einen solchen in erbitterter Weise kürz vorhergeführt hatten, nnschuldigcr Weise hineingezogen zn werden.

y Mit welchem Eifer Herbcck sich der Sache annahm, beweist der Umstand, daß ersogar die Correctnr des zum Gebrauche des Pnblicums hcransgegebenen Textbuches besorgte.Das betreffende Corrcctur-Exemplar ist in Händen des Verfassers.