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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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Herbcck das Publicum mit einzclncn Thcileu dieser Musik bekannt gemacht,nun sollte das ganze Werk folgen. Schon dadurch, daß er für die Partie desFaust Julius Stockhauseu cugagirt hatte, machte er das Concert zu einer wahren6M86 eolöbra. Die poetische Auffassung und vollendete Wiedergabe der Faust-partie durch diesen Säuger entzückten das Publicum, erregten die rückhaltsloscBewunderung der Kritiker und Musiker, au deren Spitze Herbcck selbst be-geistert stand -— trotzdem das anmaßende Auftreten des Säugers ihm nichtgerade die schönsten persönlichen Erinnerungen an ihn zurücklicß.

Das Grctchen sang Louise Dustmann mit genialer Auffassung und mitedlem Vortrage. Auch die übrige» Partien waren mit vorzüglichen Kräftenbesetzt, worunter zwei Mitglieder des SingvercineS, die später in die Reiheder ersten Sängerinnen Deutschlands traten: Marie Wilt und Marie Bischof(Marianne Brandt) sich ganz besonders hcrvorthaten.

Marie Wilt widmete sich verhältnißmüßig spät der Bühne. Sie warschon eine bedeutende Conccrtsängcrin geworden, bevor sie daran dachte, dieTheatcrlanfbahn zu betreten. Es geschah dies nicht, ohne daß sic vorher denRath Hcrbeck's eingeholt hatte. Herbeck meinte, daß es eine schwierige Sachewäre, jemanden: in einer solchen Angelegenheit Rathschläge zn crtheilen, alleinwenn sie durchaus den Drang, zur Bühne zn gehen, in sich fühlte, so mögesic eS vorerst auf einem kleinen Theater versuchen, denn das Wiener Opcrn-Theatcr wäre kein Ort für dramatische Anfängerinnen. Frau Wilt trat, diesemRathe gemäß, zuerst in Graz auf und zwar mit solch' bedeutendem Erfolge,daß sie bald auf größeren Bühnen Deutschlands mit ihrer, weniger durch an-geborene Genialität als durch eine bcwundernswerthe Energie, einen eisernenFleiß und phönomcnalc Stimmmittel erworbenen Meisterschaft glänzte. Spätertrat Frau Wilt in den Verband der Wiener Oper und hatte wiederholt Ge-legenheit unter Hcrbeck's Direction die fabelhaftesten Erfolge zu erringen.')Dagegen zeigte sich Frl. Bischofs (Marianne Brandt) Eignung zur großenSängerin weniger in glänzenden Stimm-Mittcln als in der ausgesprochenenFähigkeit, jede Aufgabe sofort in der richtigen Weise geistig zn erfassen undmit psychologischem Feingefühle dramatisch wahr zu lösen. Nur mit Zagenwagte sic den ersten Schritt ans die Bretter, welche die Welt bedeuten. Siebegann ihre Bühncncarriere am Klagenfurter Theater im Jahre 1867. Vondort ans schrieb sie an Herbeck: „Ich glaubte am vergangenen Sonntag nicht,daß ich cs hier aushalten könne um die Zeit als das (Gesellschafts-)Eonzertwar, denn es war, seit ich Mitglied des SingvercineS bin, das Erste, das ichversäumte." 2) Marianne Brandt machte rasch Fortschritte und bald sehen wirsie als erste dramatische Sängerin anftrcten, welche in Partien wie Fides und

y „Auch wird cs mich immcr unciussprcchlich frcucn, an mciuc Vergangenheit denkend,daß Sic mir die erste, mir Ehre bringende Parthie gaben," schreibt F-ran Wilt an Herbcck.Brief boin 15. April 1867.

2) Brief von Fräulein Bischof vom 16. März 1867.