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Eine schöne Errungenschaft der Pötzleinsdorfcr Muße war ein Chor fürvier Männerstimmen mit Begleitung eines Waldhornguartettcs: „Znm Walde".Das Gedicht stammt von Georg Schenrlin, >) einem Dichter, de», wie NikolausDnmba einmal treffend bemerkte, Herbeck erfunden hat. Nicht eine Zeile desschriftlichen Nachlasses Hcrbcck'S deutet auf einen, auch nur fluchtigen, persön-lichen Verkehr mit dem Dichter, und auch in der Erinnerung aller jener,welche dem Componistcn nahe gestanden, will sich irgend ei» Anhaltspnnet, daßein solcher stattgcfnndcn habe, bieten. Und doch ist es beinahe unbegreiflich,daß Schenrlin, dessen Lied durch Hcrbeck'S Vertonung beinahe an allen Orte»der weiten Erde, wo deutscher Männergesang ertönt, bekannt und beliebt ge-worden ist, dem Musiker niemals im Leben begegnet sein sollte. Das Lied„Znm Walde" entnahm Hcrbcck einer Sammlung von Gedichten Schcnrlin'S,welche unter dem Titel „Heideblnmen" (Heidelberg 1858, S. 101) erschienenist. Aus dem nun schon vergilbten, abgegriffenen Büchelchen hat Hcrbcck eineReihe von Gedichten, großenthcils mit Glück zu Compositionen benützt, wie:Glockentöne, Vorfrühling, Raum dem Lenze, Frtthlingsttbcrschwang, die Wasser-fahrt, Deutschland, Waldhornklang, Waldvöglcin, Versenkung, Zauber der Liebe,daS Fischcrmädchcn, Fischer und Jäger. Schenrlin war also Hcrbeck'S Leib-dichter. Der einfache, an's Volksmüßige streifende Ton seiner Gedichte, dieihnen innewohnende blühende Romantik behagte Hcrbeck'S musikalischer Indivi-dualität, welcher des „Gedankens Blässe" durchaus zuwider war, vortrefflich;auch mag Scheurlin's Liebe zur Musik und deren Meister, welche in verschie-denen Gedichten, wie „Der taube Gast" (Beethoven), „Erinnerung an Schubert",„Des Meisters Grab" (Mozart), einen so treuen Ausdruck findet, besondereSympathien für seine Schöpfungen in Hcrbcck erweckt haben.
Der Chor „Zum Walde", welcher zu de» beliebtesten und verbreitetstenseiner Schöpfungen zählt, ist ein Kunstwerk ersten Ranges, das wir umsomehrbewundern müssen, als die Gränzen, innerhalb welcher cs sich aufbant, derNatur dcS Münncrgesanges entsprechend, äußerst eng gezogen sind. Wirklichfinden wir in der von Jahr zu Jahr in grauenerregender Weise anwachscndenLiteratur dieses Genres nur wenige Erzeugnisse, welche auf die Zucrkennungeines wahren, inneren Werthes Anspruch erheben dürfen. Die ziemlich mühelose,wenige Studien und geringe Erfindnngskraft erfordernde Composition einesDurchschnitts-Männerchorcö muß nothwendigcr Weise den Dilettantismus mächtigreize». Und in der That hat der Dilettantismus schon in der erste» Periodedes Erblühens des Münnergcsanges eine so horrende Masse mittelmäßiger,säst- und kraftloser Prodnctc auf den Markt geworfen, daß O. Elben, derverdienstvolle Verfasser einer Geschichte dieser Kunstgattung 2), mit Recht nieder-schreiben durfte: „Die Kunst, ein Kraftlied zu schaffen, das frisch durchschlägt,
y Schcurlin, 1802 geboren, starb 1872 als Ministcrialsecretär in München,y Elben Geschichte des Männcrgesanges 1855. S- 252.