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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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Zeit darnach, am 29. Jänner 1860. Zn einer Aufführung der beiden KricgS-licdcr kam es jedoch nicht, da der Krieg sich bald, leider zu Ungunsten Oester-reichs, entschied.

Das namenlose Unglück, welches derselbe über so viele Menschen hcranf-bcschwore» hatte, gab dem Wiener Münncr-Gesang-Vereine bald Gelegenheit,seine patriotische Opferwilligkeit in schöner Weise zu bethätigen, indem derselbezu Gunsten der im Feldzüge Verwundeten ein großes Gesangfest im Angartenveranstaltete. Der Wohlthätigkeitssinn der Bevölkerung Wien's zeigte sich hierim schönsten Lichte. Fast alle Arbeiten, welche zur festlichen Ausschmückung desAngartens dienten, waren von den betreffenden Fabrikanten und Arbeitern unent-geltlich geliefert worden, und nahezu 12000 Zuhörer füllten die großen Plätzeund schönen Alleen des in elektrischem Lichte erglänzenden Gartens. Herbeck gabdem Feste ein, dem Zwecke desselben entsprechendes, kriegerisches Gepräge, indemer bei jeder Strophe „Ihr Eonstabler ans der Schanzen" des „Prinz Engenins"Kanonenschüsse nbfcncrn und nach jeder Strophe die Militärmnsik mit demEngeniusmarsche unter fortwährendem Geschützdonner cinfallcn ließ, „was sichwahrhaft imposant ansnahm und vom Publicum mit Jubel ausgenommenwurde", i) Alan sieht, Herbert verstand es meisterlich, Gelegenheiten, welcheeines eigentlich künstlerischen Charakters entbehrten, durch die Anbringungdrastisch wirkender Effecte einen feierlich-realistischen Beigeschmack zu verleihen.Das Neinerträgniß (über 4400 fl.) wurde zum Ankäufe von Obligationen ver-wendet, deren jährliche Interessen sechs verkrüppelten, arbeitsunfähigen Kriegerngewidmet werden sollten. ?)

Den Sommer des Jahres 1859 brachte Herbcck mit Ausnahme jenerZeit, wann ihn Pflichten an Wien fesselten, in dem nahen, reizend gelegenenPötzleinsdorf zu. Ein ebenerdiges Häuschen, umgeben von einem kleinen,schmucklosen, an die Felder gränzenden Garte», welches an der, die Orte Pötzlcins-dorf und Gersthof verbindenden prachtvollen Lindenallee gelegen war, bildeteHerbeck's bescheidenes Heim. Hier schenkte ihm seine Frau am 17. Juni ein„Mädl", wie das Tagebuch kurz berichtet. Es war dies sein viertes Kind.Seinen ältesten Sohn hatte er, Mozart zuliebe, Wolfgang, seinen zweiten, umder Verehrung für Beethoven Ausdruck zu geben, Ludwig, den dritten Maxtaufen lassen. Keiner der Söhne hat den Beruf des Vaters ergriffen, obwohlallen dreien ei» prächtiges musikalisches Gehör und ein angeborner Sinn fürMusik eigen war. Herbeck hatte keine Lust, ein „Kunstproletariat", wie er csnannte, groß zu ziehen, oder den Söhnen etwa ans Kosten seiner eigenen Ver-dienste eine vorübergehende Geltung zu verschaffen. Deshalb unterließ er esauch, den Kindern eine ausgesprochene, strenge musikalische Erziehung angedcihenzu lassen, in der Voraussetzung, daß ein bedeutendes Talent sich unter allenUmständen Bahn breche.

>) Tagebuch.

2) Jahresbericht des Wiener Mänucr-Gesaug-Vercincs 1859. S. 13 ff.