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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
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scheint ansgcstorben". So wäre in der That die Aufzählung wirklich bedeu-tender Müuuerchorlieder seit Schubert auch bald und ohne vieles Nachdenkenvollzogen; das; Herbeck'S „Zum Walde" zu diesen wenigen nennenswcrthenAusnahme» zählt, ist wohl keinem Zweifel unterworfen.

Mit namenloser Freude erfüllt sich das Herz des Großstädters, wenn erendlich den enge», düsteren, von Wagengerasscl wiedertönendcn Straßen derStadt den Rücken kehren darf und sein Auge sich an den blühenden Fluren ent-zückt, seine Ringen die kräftig-frische Waldlnft in vollen Zügen einathmen. Istdieser Großstädter vollends ein Künstler, wie Hcrbeck einer war, so muß sich beiihm »eben dem körperlichen und geistigen Behagen auch ein erhöhter, freudigerSchaffenstrieb Anstelle», welcher bald seine vollste, schönste Befriedigung findet.Beinahe frei von Geschäften, durchzog Hcrbeck die weit anSgcdchntcu schattigenWälder in der Umgebung des Ortes und fand hier im Rauschen der Quellen,im Säuseln der von einem leisen Winde bewegten Blätter, im hundertstimmigenfrohen Gesänge der Vögel Anregung zu geistigem Schaffen, Ruhe zur Arbeit.So entstand am 28. Juli das schöne Waldlicd.

Die Form des Chores ist einfach und gedrängt, die Grnndtonart Us-äur.Eine kräftige, einstimmig gesungene Aufforderung heißt uns znm Walde wan-dern, ans dem bald das lustige Geschmetter der Hörner uns entgegen tönt,welches sich den Stimmen des nun sich im vierstimmigen Satze nufbanendenChores enge anschmicgt. Gehcimnißvoll modnlirt der Mittclsatz »ach Oas-änr,als wollten diese langgczogencn shnkopirten Hornaccordc einen leichten Schleier-breiten über die Reize des duftenden Waldes und seine unerklärlichen Wunder.Aber bald löst sich der süße, geheimnißvolle Zauber und das Red tönt nun,nach M-cknr rücklenkend, in vollen, bis zur höchsten Kraft sich steigerndenKlängen jubelnd in einen entfesselte» Frendenhymnns aus!

Hcrbeck verfertigte die Reinschrift der Partitur am 1. August und brachtesie am folgenden Tage in die Ucbnng des Vereins. Schon beim ersten Durch-singe» entfesselte das Lied bei den Sängern einen Sturm von Begeisterung.„— ich glaube, das Red ist keines meiner schlechtesten," schreibt Herbeck be-scheiden in sein Tagebuch. Am 9. August kam der Chor i» der, beim „Sperl"abgchaltenen Sommerliedcrtafel zur ersten öffentlichen Aufführung. Nach jederStrophe erhob sich großer Beifall, am Schlüße ward das Händeklatschen soungestüm, daß Herbeck wiederholen mußte. 2) Kurze Zeit darauf erhielt er einebriefliche Einladung Franz Abt's, einen Beitrag für die von ihm herausgcgebenebei F. C. Leukhart in Leipzig erschienene „Sängerhalle" zu liefern.

Er sandte Abt den Chor „zum Walde" und einen zweiten, früher com-ponirten, „die Studenten". Der Verleger ließ den Chor außerdem in ciner

') Vergl. auch Brief vom 12. März 1863, Anhang S. 57 f. Ein ähnliches ungünstigesErgebniß hatte eine von der Liedertafel in Elberfeld im Jahre 1864 veranstaltete Prcis-ansschreibnng, wobei Hcrbeck über die eingcsandten Chöre in ebenso ungünstiger Weise zunrthcilen gezwungen war.

2) Jahresbericht des Wiener M. Ges. Per, 1859. S. 16.