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Wie eine Armee das blutgetränkte Schlachtfeld, Schritt für Schritt sich erobernmußte, als vielmehr sein eigenes künstlerisches Gewissen und das Bewußtsein,daß alle, welche mit ihm wirkten, ihm, wenigstens sobald er als musikalischerFeldherr über ihnen stand, in aufrichtiger Berehrung zugetha» waren. „DieLeute haben mich alle gern," notirt Herbeck, „und das entschädigt mich für soviele Miserabilitüten." Bei der llebnng am 19. April erhielt er von denDamen des Vereines einen Taktstab ans Ebenholz und Elphenbei» zum Geschenke,mit welchem er Mendelssohn'S „Deutschland" dirigirte. Damit schloß das ersteJahr des neuen Vereines. „Wäre es mir nur vergönnt," ruft Herbeck aus,„ihn (den Taktstab) noch 50 Jahre mit gleicher Kraft schwingen zu können!"
Der ausbrcchende Krieg in Italien gab Herbeck, der mit Leib und SeeleOcsterreichcr und Deutscher war, Anlaß, seinem glühenden Patriotismus inseiner Weise Ansdruck zu geben. Zwei kräftige Kriegsliedcr gegen den altenErbfeind, „allen Liedertafeln „„so weit die deutsche Zunge reicht"" gewidmet",war das Product dieser spontanen Begeisterung. Die Dichtung des erstenLiedes: „Das Oesterreicherlied" ist von Julius Schwenda, jene des zweiten:„KriegSlied gegen die Wälschen" von Ernst Moritz Arndt. Hcrbeck benütztediese Gelegenheit, um die beiden Chöre dem greisen Arndt zu übersenden.Die Antwort des Dichters, welche darauf erfolgte, charakterisirt den in seinerBrust mit vulkanischer Kraft zischenden und brausenden Wülschcn-Haß. Sie istäußerlich schon interessant genug: das Couvert ist ans altem, ans der nachinnen zugewandten Seite beschriebenen Papier hergestellt und zeigt die Adresse:„Herrn Kapellmeister Johann Herbcck in Wien." Die Schrift Arndt's ist sehrschlecht, aber von einer Festigkeit, welche geradezu verblüffen muß, wenn mandas hohe Alter des Dichters (90 Jahre) in Betracht zieht. Das Schreiben lautet:
Bonn 7. ÄrndtemondS 1859.
Hochgeehrter Herr.
Herzlichen Dank für die Ehre, die Sic meinem Liede vom Jahre 1840erwiesen haben. Wohin sind wir, wohin ist Ihr Kaiser endlich gerathen?Ginlay? warum hatte dieser den Oberbefehl über 200.000 Mann? und nichtHeß oder Benedeck? Das sind Näthsel, welche Sie begreiflicher Weise in Wienbesser wissen als wir hier draußen in weiter Ferne.
Was wird man endlich aus dem verworrenen italischen Dreck machenkönnen zu mal wenn wülsche und russische Listen immer heiß mitspielcn. IhreOstrcicher haben sich wie Helden geschlagen; aber Giulay hat am Ticino dieganze Lage durch völlige Unfähigkeit verdorben.
Möge es besser geleitet werden, wenn es mit Nap') zum 2 oder 3 Auf-zug kommt! In deutscher Treue Ihr E. Ni. Arndt.
Herbeck bewahrte diesen Brief stets mit besonderer Pietät und bemerktehäufig, daß derselbe für ihn einen um so größeren Werth besitze, als er einerder letzten Briese war, die Arndt überhaupt geschrieben hat. Er starb kurze
y Napoleon.