Verkehr zu treten, indem er nämlich für dasselbe den Matrosenchor aus dem„Fliegenden Holländer", welchen er „prickelnd, äußerst charakteristisch" nennt,eingerichtet und nun durch den großen Beifall, den er damit erzielte, sich ver-anlaßt findet, anch das „Matrosenlied": „Durch Gewitter und Sturm" füreine Concert-Anffnhrnng vorzubereite». >) Ueberhanpt waren in jenem Conccrteder modernen musikalischen Richtung bedeutende Zugeständnisse gemacht. DasProgramm desselben enthielt neben Wagner auch ei» Stück von Bcrlioz, nämlichden Chor der vom Feste heimkchrendcn jungen Capulets aus der Symphonie„Romeo und Julie", welchen Herbcck eines der reizendsten, duftigsten Stückenennt, die er kenne, das aber „den Sängern auf's erste mal begreiflicher Weisenicht ganz einging". 2 )
Doch, große Leistungen weisen alle Zeiten auf, und cs war daher mü-der Ausdruck des ihm innewohnenden künstlerischen NechtSgcfühles, daß Hcrbeckstets darauf bedacht war, auch den bedeutenden Werken der alten Meister keinestiefmütterliche Behandlung angcdcihen zu lassen. Gleich das Singvereins-Concertam 3. April war eine historische Revue über die Werke bedeutender Meister-aller Zeiten: Heinrich Schütz,Hans Walther, Bach, Beethoven, Schubert,Mendelssohn, Schumann und B. Klein (d. h. Hcrbeck). Daran anknüpfendschreibt Herbeck in's Tagebuch: „5 Nummern stürmisch zur Wiederholungbegehrt, davon 3 wiederholt und dennoch warfen mir etliche sogenannte Necen-senten, die bei der Singakademie alles tadellos finden, H vor, daß ich wieder-holnngssttchtig sei! Unverschämtes Volk! Doch das wird meinen Weg nichtbeirren, nur vorwärts . . . ." und darauf folgt ein recht kritischer und, weilpro äomo geschrieben, Wohl auch gerechter Bericht über ein Conccrt der Sing-akademie: „Saul, Oratorium von Hitler. Nicht ein Rccitativ wird prücisbegleitet. Die Altistin differirt um 2 Takte mit dem Orchester, ohne sich hin-eiuzufiudcn, selbst der Chor schlügt bedeutend vor. Dergleichen hat sich bei denLeistungen des Singvereiucs, in „Judas Maccabäus" und „Paradies" nichtereignet!"
Was Herbeck vorerst entschädigen und zu weiterem Streben ausporneumußte, war also gewiß weniger die öffentliche Anerkennung, welche er erst, gleich-
>) Brief an R. Wagner. Anhang S. 28.
2 ) Tagebuch.
3) Es mag hier nicht unerwähnt bleiben, daß Lebenslauf und Charakter dieses ausge-zeichneten Componistcn, geb. 1585, eine nicht zu verkennende Achnlichkcit mit jenem Hcrbcck'saufznweisen hat. Auch er begann seine Carricrc am Kirchcnchor, stndirte auf der UniversitätMarburg die Rechtswissenschaften und starb als churfürstlich sächsischer Kapellmeister. Er warcdcl als Künstler wie als Mensch, und die Musikgeschichte hat kaum eine zweite Gestaltaufznweisen, welche in rein menschlicher Beziehung jener Schütz' gliche. Ein tiefer Schmerzergriff alle, die ihn kannten, als er im 88. Lebensjahre starb. Vcrgl. Dommcr Handbuchder Musikgeschichte. Leipzig 1868. S. 310 ff. und Fürstenau Musik und Theater in DresdenI. S. 236 ff.
h Speidel hat diese „blinden" und „tauben" Lobrcdncr gehörig abgekanzelt. Wiener-Zeitung Nr. 82 I. 1859,