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und in diesen: beständigen Wechsel lag wohl hauptsächlich der Grund, warumwir in der Geschichte der Gesellschafts-Concerte vor den fünfziger Jahren nacheiner künstlerischen Großthat vergebens ausblicken.
Unter den Concertleitcrn bis znm Jahre 1850 findet man keinen einzigen,welchem besondere künstlerische Umsicht, Energie, und die Gabe, große Massenmit Sicherheit zu leiten, zngeschrieben werden kann. Geniale Menschen fallenfreilich nicht vom Himmel, aber eine Concert-Direction sollte doch wenigstenstrachte::, den tüchtigsten unter den vorhandenen Künstlern zu wählen und ihndauernd in ihre Dienste zu nehmen, i) In: ersten Jahrzehnte des Bestandesder Gesellschaft trifft inan Hauschka an: häufigsten an: Dirigentenpnlte. Außerihn: waren Kiesewetter, Gebauer, Kirchlehner, Sonnleithner, I. B. Schmiedlund Baron Lannoh Concert-Dirigenten. Wie wenig den leitenden Organen derGesellschaft die Kenntniß der Grundbedingungen eines geordneten Concertlcbenseigen war, beweist die heutzutage komisch erscheinende Thatsache, daß dieDirigenten nicht nur concertweise abwcchselten, sondern sogar in jeder Pro-duetion zwei Obcrleiter, vier Leiter an: Clavicr und acht Biolindirigcnten func-tionirten. Ja man trieb die Conseguenzen dieser, durch die Statuten bestimmtenGleichberechtigung der Mitglieder so weit, daß die Plätze der Orchesterspiclerund die Abwechslung in den Solovorträgen durch das Loos bestimmt wurden.
Die Conccrte in den Jahren 1820—30 bestanden aus 4—5 Nummern.Den Anfang bildete in der Regel eine Symphonie, dann folgte eine Arie oderein Duett und ein Solo-Jnstrnmentalstück. Den Schluß machte ein Chor odereine Cantate. Wurde» nun allerdings die Namen Haydn, Mozart und Beethovenin Ehren gehalten, so muß die Ucberfüllung der Programme mit Compositionenvon Lannoy, Worzischek, Preindl, Weigl rc. auffallend erscheinen. Mit über-triebenem Localpatriotisinns ist diese Erscheinung nicht zu rechtfertigen, dennwäre die Zusammenstellung der Programme lediglich den: Ausflüße solcherGefühle entsprungen, so hätte man doch mindestens den Landsmann FranzSchubert nicht so ganz bei Seite setzen dürfen. Diese Erscheinung muß alsoandere Ursachen gehabt haben, und Robert Schumann hat wohl das Nichtigegetroffen, als er 1838 von Wien aus schrieb: „Welche kleinliche Parteien,Cotericn re. es hier gibt, glaubt Ihr kaum, und festen Fuß zu fassen, gehörtviel Schlangennatnr dazu, von der, glaube ich, wenig in nur ist. 2) Ueberein-stimmend damit, aber viel schärfer, lautet eine Aeußerung Mendelssohn's ausdem Jahre 1830: „Die Leute um mich herum waren schrecklich lüderlich und
>) Wie wirkliche Talente oft behandelt wurden, beweist die Begründung des abschlägigenBescheides, welcher Josef Lanner, der 1830 nni die Aufnahme in die Tonkünstler-Societätersuchte, zu Thcil ward: „weil Lanner nur ein Tanz-Vorgeigcr und kein Tonkünstlerim eigentlichen Sinne des Wortes sei." Freilich werden Lanner's Weisen heute noch mitVergnügen gehört, während so mancher beklatschte Componist jener Zeit heute kann: mehrdem Namen nach bekannt ist.
y Wasielewsky Schumann S- 173.