innxwohncndcn Majestät und Größe zu verspüren war, sondern daß dasselbegeradezu dnrchfiel. Ein Ohrenzcngc schreibt darüber: „Der 8 stimmige Chorvon Herrn Schubert wurde von dem Publikum als ein Accnmnlat allermusikalischen Modulationen und Ausweichungen ohne Sinn, Ordnung undZweck anerkannt. Der Tonsetzer gleicht in solchen Compositionen einem Groß-fnhrmann, der achtspännig führt, und bald rechts, bald links lenkt, also aus-weicht, dann nmkehrt, und dieses Spiel immer forttrcibt, ohne aus eine Straßezu kommen." >) Am 30. März desselben Jahres wurde der Gcisterchor in cincrAbendgesellschaft bei Dr. Ignaz von Sonnleithner anfgcsührt und seit dieserZeit war er spurlos verschwunden.
Als Herbeck im Frühlinge 1857 eines Tages in de» Spina'schenMnsikalienlnden am Graben eintrat, wo er oft stundenlang in alten Scharteckenherumzuwühlcn pflegte, bemerkte er, daß der Geschäftsführer, Namens Doppler,eben einen Pack Mannscriptc bei Seite schob. Ans die Frage, was das Packetenthalte, antwortete Doppler iioueluüöuk im reinsten Wienerisch: „Nip alsSehmarr'n". Herbcck aber erschien dieses Urthcil doch nicht eompctent, und erließ sich die Mühe nicht verdrießen, den ganzen Stoß Papiere aufmerksamdnrchzublüttcrn. Plötzlich hielt er i»»e, denn er war auf ein ManuscriptSchubcrt's gestoßen. Es war der „Gesang der Geister über den Wassern".Auf welche Weise die Handschrift in den Besitz der Musikalienhandlunggekommen war, läßt sich erklären. Doppler war mit Schubert persönlichbekannt, und er zählte zn den Theilnehmern der bei Vater Schubert veran-stalteten Streichgnartett-Uebnnge».2) Wenn der liederreiche Meister in Geld-verlegenheit war — und das ereignete sich wohl öfter — kam er zn Dopplergelaufen, um ihm irgend eine Composition zum Kaufe anznbieten. Dopplergab ihm gewöhnlich einen Zwanziger dafür und Schubert war zufrieden, sichwieder ei» paar mal satt essen zn können.^) Herbcck entlehnte daö kostbareManuscript, um sofort die Stimmen heransschreiben zu lasse» und eine Lese-probe davon abzuhalten. Wenn er wichtige Novitäten zn Prokuren hatte, so warcö seine Gepflogenheit, die tüchtigsten Sänger des Vereines.-entweder in seineWohnung oder in die Knnzlei des Vereines, welche sich damals in dem nunnicht mehr bestehenden Bürgerspitale (innere Stadt) befand, zum Zwecke unge-störteren Studiums einznladen. Die Einladung hierzu schrieb er eigenhändignieder, verzeichnete die Namen der Sänger, nach Stimmen geordnet, darauf,und ließ den Bogen durch den Vercinsdiener bei allen einzuladcndcn Mit-gliedern circulircn. Sehr häufig versah er diese Einladungen, um die Auf-merksamkeit der Sänger zu erregen, spaßhafter Weise mit Bemerkungen imStyle marktschreierischer Ankündigungen, z. B. „Was gibt cs Neues??"„„Sehr interessante Dinge, meine Herren!"" re. Eine ähnliche Ein-'
y Allgemeine Mnsikzeitnng Nr. L3, 1821, bei Kreißte Schubert S. 206. ff.
2) Kreißte Schubert S. 89.
3) Zufolge einer verbürgten mündlichen Ucbcrlicferung.