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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
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Winternacht" (Eichendorff) mit Clavierbegleitnng am 4. Oktober,ferner ein LiedEs war ein alter König"; endlich arbeitete er das Adagionnd Finale seines im Vorfahre geschriebenen Quartettes in D-navil um.

Im Herbste führte Herbeck de» Namen Liszt in das Repertoire desMänner-Gcsang-Vercines ein. Liszt's Wirten als schaffender Künstlcr laßtsich i» zwei Hauptperiodcn eintheilcn. In der erste» entstanden hauptsächlichElaviereompositioncn und eine Menge geistreicher, brillanter TranSseriptionenfremder Schöpfungen, welche, hauptsächlich für seine kunstfertigen Finger berechnet,von anderen Clnvierspiclern kaum wicderzngeben sind. In dieser Eigenschaftlernte das musikalische Wien denKönig deö Claviers" bereits in den Jahren1823 und 1838 kennen. Gelegentlich der scholl erwähnten Mozartfeier tratLiSzt als Dirigent vor das Wiener Pnblicm», und er stand demselben dahernoch im besten Angedenken, als Hcrbcck daran ging, Aufführungen von Werkenseiner zweiten Epoche, jener der Oratorien, symphonischen Dichtungen, Messen re.vorznbereiten. Die letzte Anwesenheit Liszt's gab Hcrbeck Anlaß, sich deinMeister vorznstellcu, welcher ihm Thcile aus seiner Messe für Männerchorvorspielte. Hcrbeck war diese Stunde des Beisammenseins mit Liszt, wo ihnder Geist dieses Werkes und seines Schöpfers elektrisch durchzuckte, nnd ersich gleichzeitig die würdige Wiedergabe dieses Hohenliedes zur künstlerischenPflicht machte" unvergeßlich. Herbcck wühlte den originellen, geistreich con-eipirten Stndcnten-Ehor (das Nattenlied ansFaust") als erste, im Männer-Gesang-Vereiuc anfznftthrende Eomposition Liszt's. Zwar waren die Sängerüber die ungeheueren Schwierigkeiten dieses Stückes anfangs verblüfft, abernach und nach fanden sie doch Geschmack daran, so daß Herbcck es wagenkonnte, das Lied bei einer Probe eine volle Stunde durchzunehmen, ohnedaß die Aufmerksamkeit und der Fleiß der Sänger erschlafft wäre. Bei derLiedertafel im Sophiensaale am 25. October bot der Verein eine tadelloseWiedergabe dieses Chores, welcher aber trotzdem nicht so gefiel,wie die Sachees verdient hätte". Der Liszt'sche Chor verursachte Herbcck, abgesehen davon,daß ihm das Studium eine immense Mühe kostete, auch noch eine zarte Collisionmit der Censnr. Die Stelle vom Doctor Luther wurde uämlich im Programmegestrichen und statt dessenvom allerbesten Futter" gesetzt. Hcrbcck begab sichzur protestantischen Kirchenbehörde, um einen gütlichen Ausgleich zu erzielen.Der anwesende Kirchenrath ersuchte ihn aberverschiedener Verhältnisse wegen"denDoctor Luther" wegzulassen, was denn auch geschah. H

Die erste Frucht seiner Thätigkeit als Chormeister des Vereines war dieEinführung des deutschen Volksliedes in künstlerisch geläuterter Form.ImTone des herzigen Volksliedes" sagt Schnbarth-)ist Deutschland noch vonkeinem anderen Volk übertroffen worden; die größten wälschcn Meister belauschenoft unsere Handwerksburschen, um ihnen herzige Melodien abznstehlen". Silcher

') Brief Hcrbcck's an Liszt. Anhang S. 12.

-) Schnbarth Acsthetik. S. 238.