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sturm los, 3 mal mußte ich auf's Pult steigen und mich nach allen Seitenhin bedanken, da wir aber ansgemacht hatten nichts zu repetiren, sondern erstnach der zweiten Nummer, wenn der Beifall anhält, einen dritten Chor znzn-geben, so fing Schläger den zweiten Chor „Liebe und Wein" von Mendels-sohn an, der ebenfalls großen Beifall erntete. Nun stieg ich abermals hinaufund kündigte den „Nachtgesang im Walde" von F. Schubert an,') und Dukannst Dir nicht leicht vorstcllen, wie jnbclvoll auch diese Nummer ausgenommenwurde, ich mußte abermals zweimal vortrcten und meine Kratzfüße machen.Wir sangen aber nichts mehr, weil cS gut ist, wenn die Leute vom Essen anf-hören, wenn der Appetit am größten ist! Die Kaiserin Mntter insbesondereapplandirte ans Leibeskräften. Du kannst Dir, liebes Weib, meine Freude vor-stcllen, cs hat mir das Wasser in die Angen getrieben" und das Tagebuchberichtet: „Bei der berühmten Echostclle (im Nachtgesangc) hätte man eineStecknadel fallen hören könne», wie wir geendet, kannte der Applaus keineGrenzen. Mir war vor freudiger Bewegung das Weinen näher als das Lachen."
Der Verein begab sich nach dem Feste nicht unmittelbar nach Wie»zurück, sondern leistete einer Einladung des Erzherzogs Franz Karl, welcherein großer Musikfreund war, in Ischl zu singen, Folge. Am 10. Septemberkamen die Sänger in Ischl an und begaben sich noch am Abende vor dieVilla des Erzherzogs, um diesem und seiner Gemahlin, der ErzherzoginSophie, eine Serenade dnrznbringen. Herbeck dirigirte „Gesang im Grünen"von Esser, „Der Mai ist gekommen" von Kuntze und „Der kleine Rekrut"von Kücken. Nach der Production unterhielten sich die Herrschaften längereZeit mit dem Vorstande vr. Egger und den Chormeistern und befrngen dieeinzelnen Sänger um ihre Neiseschicksale. Für Herbcck hatte dieser Abend diebesondere Bedcntnng, daß er zum ersten male mit der geistreichen und kunst-sinnigen Erzherzogin Sophie, welche später einen großen Einfluß auf seineKünstlcrlaufbahn ansgeübt hat, zusammentraf. Als die Sänger am folgendenMorgen ans Salzschiffen die reißende Traun hinabsuhrcn, öffnete die Erz-herzogin die Fenster und winkte ihnen freundliche Abschicdsgrüßc zu. Der Vereindrückte beiin Beginne der Saison 1856—57 durch die neuerliche höchst ehren-volle Wahl Herbeck's (108 gegen 7 Stimmen) diesem sein Vertrauen aus.
Zn schöpferischem Wirken fand Herbcck in der eben beschriebenen Periodeangestrengter Thätigkcit nur wenig Muße. Außer den zur Grundsteinlegung derVotivkirche componirtcn Stücken, entstanden nur noch die Männerchöre:„Mucker und Schlucker" am 20. Mai,
„Der gesühnte Hirsch" (mit Baßsolo und Horn) am 24. Mai,„Morgenlied" am 12. Juli, alle drei nach Gedichten von N. Neinick;
') Als Herbcck diesen Chor zum ersten Mal mit dem Vereine stndirte, schrieb er insTagebuch: „Welch' künstlerischer Hochgenuß, eine solche Composition zn stndiren und zudirigircn."