de» Leistungen des Vereines augenscheinlich überrascht und äußerte: „DerWiener Verein hat vor Allen, die ich hörte, den Schwung voraus, lieberHerbcck's Leistungen als Dirigent sagte er laut und vernehmlich: „Er habedie Auffassung seiner Compositioueu bis in's kleinste Detail so gut getroffen,wie er cs selbst nicht anders gemacht hätte". H Die Festliedertafel enthielt einaußerordentlich reichhaltiges Programm, so daß die Musik erst gegen l UhrMorgens beendigt ward. Daß man nach Absolvirung des Programmcs nichtsofort nach Hause eilte, sondern nun erst den Freude» der Tafel und desBechers lebte, ist wohl von selbst verständlich. Es wurde lustig fortgezccht bisin den Hellen Tag hinein. Herbeck verstand es übrigens auch inmitten desfreudevollsten FestgetümmclS, wobei, wie sich der Wiener ausdrückt „allesd'rnnter und d'rttbcr geht", die ihm eigene Mäßigkeit zu bewahren. Er warim Stande, im stärksten Tabakgualm eine ganze Nacht hindurch bei einemeinzigen Glase Bier oder Wein zu sitzen, und auch im engeren Kreise ließ er-sieh nie zu einem „zu viel" verleiten. War er stets in allem, was dem Körperirgendwie znm Schaden gereichen könnte, äußerst müßig, so kannte er hingegenkein Maß und Ziel, wenn er seine Kräfte der Verwirklichung künstlerischerIntentionen widmete, und wie er tagelang in Archiven nach vergilbten Mann-scriptcn stöberte, so war er im Stande, halbe Nächte lang über dem Studiumeiner Partitur zu sitzen, bis er erschöpft in seine» Stuhl zurücksank und cinschlicf.
Viel Fleiß und Mühe verursachte im heißen Sommer das Studium derznr Aufführung bei dem Mozart-Säcnlürfestc in Salzburg, wozu derVerein seine Mitwirkung zugcsagt hatte, bestimmten Stücke. Bevor derVerein die Neise dahin antrat, gelang es Herbeck, ein zweites Eolumbus-Ei
znm Stehen zu bringen. Der Männer-Gesang-Verein hatte nämlich bereits
in den traurigen Märztagc» des Jahres 1848 einen Wahlspruch, bestehendans den schönen Worten „Frei und treu in Lied und That" auf sein Paniergeschrieben. Herbeck kam auf die Idee, diese Worte in Musik zu setzen undlegte dem Vereine zwei Versionen vor, deren erste angenommen wurde. Dieoriginelle Idee, den Vercins-Wahlspruch in Musik zu setzen, fand bald allge-meinen Gefallen, andere Liedertafel» beeilten sich ihren Wahlspruch componircnzu lassen, und heute dürste es schwerlich mehr einen Männer-Gesang-Vereinin Deutschland geben, der nicht seinen eigenen musikalischen Wahlsprnch besäße.
An der Salzburger Fahrt betheiligten sich 67 Sänger, welche ihrenWahlsprnch beim feierlichen Empfange in Krems zum ersten male öffentlichvvrtrugcn. In Pbbs mußte cingetretenen schlechten Wetters halber angehaltenund übernachtet werden, und am zweiten Tage um 1 Uhr Mittags langte dasSchiff in Linz an. Von da ab ging'S per Pferdebahn nach Lambach. Die in
Lambach bereitstehcnden Wagen trugen jedoch ein solch' uncomfortables Aeußcre
6 „Nicht um ein leeres Complimcut zu machen, äußerte er galant, das; der WienerGesang-Bcrcin dem berühmten Kätner kaum in irgend einer Beziehung nachstche." ReueZeitschrift für Musik. 45. Bd., S. 50.