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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
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zur Schau, daß Hcrbeck sich entschloß, lieber mittels Extrapost nach Salzburgwciterzufahreu, wo er nach beinahe 48stündiger Fahrt, aber lauge noch vorseinen weniger glücklichen Sangcsgcnossen am 4. September anlangtc. i) Amfolgenden Tage unternahm der Verein eine vom prachtvollsten Wetter begünstigteFahrt nach Berchtesgaden und dem KönigSsce. Als die Snngerschaar ihre See-fahrt beendigt hatte, begrüßte sie den am Ufer stehende» König Max vonBaicrn durch Absingnng zweier Chöre. Herbcck dirigirtc Esscr'sGesang imGrünen", ein Lied, so recht passend zur Situation. Er nannte diesen Abendeinen der schönsten seines Lebens und die Erinncrnng daran, meinte er, würdeihm nie verklinge».-)

Am Mittag des 6. September hielten die verschiedenen Vereine ihrenEinzug in die Stadt, am Abend fand ein grandioser Fackelzug zum DenkmaleMozart's statt, und am 7. wurde ein Hochamt im Dome anfgeführt. Dergrößte Theil der Tageszeit war den Proben gewidmet, welche, da verschiedeneVereine znsammengekommcn waren und einige Gcsammt-Vorträge am Pro-gramme standen, gewissenhaft abgchaltcn werde» mußten, damit der Erfolgdes Festes auch in rein künstlerischer Beziehung sich zu einem bedeutende»gestalte. Es waren die Liedertafel» von Berchtesgaden, Hallein, Innsbruck,Landshut, Linz, Lungau, München, Passan, Reichenhall, Salzburg und Wien,welche zusammen einen Chor von 500 Mann bildeten, erschienen. Die Mün-chener, welche Herbeck,ein intelligentes, lustiges, gcmüthreiches Volk, mitdem wir trefflich harmonisircn", nennt, waren mit ihrem Chormeistcr, demComponistcn und nachmaligen Hoftheater-Jntendanten Karl Freiherr» von Per-fall erschienen, in welchem ereinen künstlerisch Gleichgesinnten" gefunden zuhaben gesteht. Herbeck fühlte sich von dem künstlerischen Eifer, womit Persallseine Sängerschaar leitete und dem schlichten Wesen desselben lebhaft angczogcn,und beide wurden in der Folge gute Freunde. Die Innsbrucker unter demEhormcister Teich »er,einem lieben Kerl", warensehr brav von der tech-nischen Seite", die Linzer unter Storchhöchst geziert und affectirt", demGesänge der Passaner haftete seiner Meinung nachnoch viel Bicrgeschmnck"an. Bei dem großen Concerte in der Aula des Collcgiengebnudes am 8. Sep-tember fand Herbeck zum ersten male Gelegenheit, sein Directionstalent voreinem großen Publicum zu bekunden.Du kannst dir mein Gefühl vorstellen,"berichtet Herbeck an seine Frau,wie ich zum Dirigentenpnlte hinanfsteigeund das Zeichen zum Beginne gebe. Die Kaiserin Mutter (Karolina Augusta),der König und die Königin von Baier», der König von Griechenland (Ottovon Baiern) und ein sehr elegantes Publikum von etwa 2000 Personen waranwesend, die Erwartung ungeheuer. Wir singen denGesang im Grünen"von Esser; kaum war die letzte Note ansgellnngen, brach ein wahrer Bcifalls-

>) Brief vom 4. September t856. Anhang S. 51.

2 ) Brief vom 6. September 1856. Anhang S. 52.

3) Brief vom S. September 1856. Anhang S. 52.