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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
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dem die hohe Aufgabe zngefallen war, die Votivkirchc zu erbaue». Herbeckneuut ih»eiueu wahre» Künstler und gemüthrcicheu Alenschen". Wie richtiger die wahre Küustlcrschaft Fcrstcl's erkannte, hat die Folge gelehrt. I» einemZeiträume von 23 Jahren vollendete dieser das Riesenwerk, welches de» bcrühmtesten deutschen Domen als ebenbürtig an die Seite gestellt werden darf, und ergehörte zu den wenigen Glücklichen, denen vergönnt ward, die Verwirklichungihrer Ideen zu erleben und das, waö ihre kühne Phantasie kaum zu träumengewagt hatte, leibhaftig vor ihren Augen erstehen und sich vollende» zu sehen.

Vom herrlichsten Wetter begünstigt, wurde am 24. April der erste Steinzu dem Werke, welches heute den Stolz Wien's bildet, feierlichst gelegt. DerKaiser, die Kaiserin, alle Prinzen und Prinzessincn des Habsburg'schen Hauses,die weltlichen nnd geistlichen Würdenwäger des Reiches, die Diplomatie wohntender erhebenden Feier bei, deren Großartigkeit ihren Gipfelpunkt in dem Schlnß-momcnte fand, als der Männcr-Gesang-Nercin, mehr als 200 stimmig, dasHahdn'scheGott erhalte" unter dem Donner der ans den Stadtwüllen aus-gestellten Kanonen absang. Herbeck's Psalm und das Vs Ovum brachte»,obwohl beide nicht den Hanpttheil der Feierlichkeit bildeten, doch eine prächtigeWirkung hervor, welche durch die von einer Militärkapelle besorgte Musik-begleitung gehoben wnrde. Herbeck konnte mit dem Erfolge seines ersteneigentlich öfsentlichcn Auftretens zufrieden sein.

An: Abende versammelte» sich die Wiener Künstler in geselligen: Kreise,wobei der apostolische Rnntins, der Wiener Erzbischof, der Primas von Ungarn»nd der eine ganze Cnltnrepoche kennzeichnende Unterrichtsminister Graf LeoThun als Gaste anwesend waren.Der Clcrus besuchte ein Künstlerlocal"schreibt Herbcck in sein Tagebuch,auch ein Zeichen der Zeit." Der Vereintrug etliche Lieder vor, bis der Champagner das Singen verdrängte und zahl-lose Trinksprüche, worunter auch einer des Bruders Leo Thnn's, des alsKunstprotector bekannten Grafen Franz, ans Herbeck, nusgebrncht wurden.Der Minister Thnn fand nicht genug Worte des Lobes über Herbeck'sPsalm nnd alle übrigen Persönlichkeiten schlagen sich diesen: Lobe an. Dieseihn: von so vielen Seiten zu Thcil gewordene Anerkennung befeuerte seinStreben und regle seine» edlen Ehrgeiz zu neuem Schaffen an, gab aber auchvielen eine willkommene Nahrung für Neid und Scheelsucht. Aber Herbeckließ sich nicht beirre».Vorwärts" lautete seine Parole,und nie stehe» bleiben!"

Seine neue Stellung gab ihn: in genügender Weise Gelegenheit zu rast-losen: Schaffe». Wenn inan bedenkt, daß die Bezahlung, welche dieser Vereinseinem Chormeister bieten konnte (der jährlich zu bewilligende Ehrcnsold betrug200 fl. C. M.), eine äußerst geringe war, so muß Herbeck's Eifer ans den:neuen Felde Heiner Thätigkcit geradezu erstaunlich erscheinen. Hcrbeck richtetevor allem sein Augenmerk ans das gründliche Studium einiger älterer guterChöre, wobei er bestrebt war, einen edlen, geschmackvollen Styl in den Vor-trag der Sänger zu bringen. Das that Noth, denn es hatten sich im Laufe