Die Resultate der schöpferischen Thätigkcit ans der letzten Periode sindbald anfgezählt:
„Trinkweise", Männerchor 3. Februar,
„Trinksprnch", „ mit Soli 10. Februar,
„Es war ein alter König", Lied mit Clavier 28. Februar,„Morgcnlied", Mannerchor 20. März.
Das Morgenlied, ein Gedicht Robert Neinick'S, war Herbcck's letzte,vor seiner Wahl zum Chormeister des Männcr-Gesang-Bereincs entstandeneCompositio». Kobold Zufall hatte sich da einen artigen Scherz erlaubt. DasGedicht beginnt mit den Worten: „Bald ist der Nacht ein End' gemacht".Wie Herbcck nun der Nacht gedankenloser Liedertafelci bald ein Ende machte,ein Morgcnroth voll der schönsten Hoffnungen entzündete und eine» Tag glänzen-de» Künstlerthnms schuf; dies zu schildern, soll die Aufgabe der weiteren Dar-stellung sein.
Am 10. Mürz 1856 erklärte Stcgmeyer seinen Austritt ans demWiener Münner-Gesaiig-Vercine, und am 28. März wurde Herbert mit 71gegen 31 Stimmen zum Chormeistcr dieser Körperschaft gewählt. DieseThatsache wurde von den Freunden Stcgmcher's als das Resultat fortge-setzter Jntrignen des neuen ChormeistcrS dargcstellt, während dieselbe in Wirk-lichkeit in der Erkenntniß der bedeutende» Fähigkeiten Herbeck'S durch die Mehr-heit des Vereines ihre Ursache hatte. Welche speciclle Aenßcrung dieser Fähig-keiten die Blicke der Majorität des Vereines auf sein junges Mitglied Herbeckgelenkt hatten, soll nicht näher untersucht werden, da ja die im folgenden dar-gestellten Ereignisse zur Genüge als Beweis dafür dienen können, daß die Wahldes Vereines keine verfehlte war.
Am 4. April fand die erste, von Herbeck geleitete Uebung statt, wobeier ans dem älteren Repertoire einen Chor von Otto „Trockene Blume»" undden „Waldgesang" von Becker, einen sehr frischen Chor, welcher zur Zeit ver-schollen war, stndirte, den „Brantgesang" von Kunz aber als neu vorführte.In der Uebung am 11. April wurde der Beschluß gefaßt, daß der Verein deran ihn ergangenen Einladung, bei der feierlichen Grundsteinlegung der Votiv-kirche mitznwirken, Folge leisten werde. An Herbeck erging die Aufforderung,zur Verherrlichung dieses für die Knnstgeschichrc Wien's so wichtigen Tageseinen Chor und ein Ivcimim zu componircn.
Herbeck wählte für den Chor den Psalm „Der Herr ist mein Licht undmein Heil" (David 26, 27) als Text und legte beide Arbeiten am 18. des-selben Monates dem Vereine vor. Bei dieser Gelegenheit war auch der junge,ungefähr im selbe» Alter wie Herbcck stehende Architekt Heinrich Ferstel anwesend,
tz Her folgenden Darstellung diente ein vom Frühling 1856 angcfangen durch mehrereJahre hindurch geführtes Tagebuch Herbcck's, ferner das Archiv und die im Druckeerschienenen Jahresberichte des Wiener Männcr-Gcsang-Vcrcincs als Quelle.