schon nm 18. Juli eingetretcnen Fnllcs von Cholera in der Hauptstadt unterallgemeinem Zulaufe zu Ende gespielt werden konnten, da nichts davon in dieOeffentlichkeit drang. H Herbeck schien von der nahen Gefahr keine Ahnunggehabt zn haben. Einige Jahre vorher hatte er zwar in Münchcndorf eineEpidemie ohne Angst und Aufregung mit erlebt, aber jetzt, da er für Weibund Kind zn sorgen hatte, würde er einer bewußte» Gefahr wohl bei Zeitenausgewichen sein.
Bald nach der Rückkunft von der Münchener Reise begann er mit derEompositivn einer Messe in 0 für Männerstimmen und (nä 1ibitnna-)Beglei-tung von Celli und Contrabässcn. Das I^ria vollendete er am 25., das Okoria,am 26. August, das Lnnokns am 1. September, das llöirsckietns nm 7. unddas ^§nn8 am 11. September. Nicht ohne hemmenden Einfluß, schreibtHerbeck, 2) componirte er diese Miesse, denn „der Tenor sollte nicht zu hoch,der Baß nicht zn tief, leicht zu treffen, das Ganze nicht zu lang und bei derdadurch bedingten Einfachheit doch das Harmonisch-Modulatorische nicht interesse-los sein". Die Miesse, welche zuerst in der Piariftenkirche, später vom Männer-Gesang-Vereine anfgcführt wurde, zeugt von bedeutenden Forschritten seinerFähigkeit, musikalische Gedanken im strengen Styl, aber ohne Pedanterie, durch-znführen. Auffallend ist die Anwendung des, bei neueren Eompositioncn nurselten vorkommcnden Plagal-Schlnsses (im Loneciietus) und seine Begründunghierfür ist bezeichnend für Herbeck's Bestreben, musikalische Formen mit anßer-mnsikalischen Ideen in Nerbindnng zn bringen. Die kleine Schrift sei dem Leserdaher bestens empfohlen.
Ein trauriger Anlaß zwang Herbeck nm 22. September die Feder indie Hand. Sein junger Freund, der edle Sänger Legat, war nach langemLeiden dahingegange», und Hcrbeck erachtete cs als seine Pflicht, ihm, mitdem so viele Talente und Hoffnungen in's Grab sanken, nach seiner Weiseein Todtenopfer zn bringen. Er componirte nach dem kirchlichen Texte einInbsrn, ein Stück von düster-schaurigem Charakter, welches eine tiefe Ergriffen-heit seines Schöpfers unmittelbar zum Ausdruck bringt. Ob er wohl eineAhnung davon hatte, daß er damit auch sein eigenes Grablied schrieb?
Im Herbste enstanden noch:
Am 5. October „Trimnphmarsch" (v-äur) für Elavier zu 4 Hände»,(?) „Gleich und Gleich", Männcrchor,
Am 22. October „Frühling und Liebe",
„ 22. „ „Marsch" (8-rnoll) für Elavier zn 4 Händen, und
zu Anfang des Jahres 1855 ein Aufsatz: „Eine Meinung über die Noth-wendigkeit, das Volkslied zn pflegen".Derselbe scheint zum Zwecke mündlichenVortrages geschrieben worden zu sein; ob der Vortrag wirklich gehalten wurde,
>) Dingelstedt „Münchener Bilderbogen", S. 52 ff.
2) Bcmcrknngcn zur Vocaüncsse Nr. 2, Anhang, S. 107 ff.
h Siche Anhang, S. 109 ff.