nehmen konnte. Sein Ziel war München, wo eine Kunstausstellung nnd eindeutsches „Gesammtg astspiel" stattfand. Der Erfinder dieser zuletzt gcuannteuneuen Kunsterschcinuna war Franz Dingelstedt, der Intendant des Hofthcatcrsin München. Im Sommer 1854 sollte nämlich der Glaspalast mit einer In-dustrieausstellung eröffnet werden, und Dingelstedt's Ansicht ging dahin, daß,da gleichzeitig eine Ausstellung von Gemälden stattfand, auch das Theater beidieser Gelegenheit Außerordentliches leisten müsse. Das war nun eine ganzlöbliche Idee, aber Dingelstedt begnügte sich nicht damit, gediegene Vorstel-lungen mit Münchener Kräften zu bieten, nein, was er in Seene zu setzenbeabsichtigte, mußte Aufsehen erregen, von sich rede» machen. Von weit nndbreit mußten Künstler nnd Kunstfreunde herbeigcströmt kommen, um die Wunder,welche sich da erfüllten, nnd deren Schöpfer anzustaunen. Die berühmtesten Schau-spieler Deutschlands: Au schütz, Emil Dcvrient, La No che, die Schauspielerin-nen Julie Nettich, Marie Scebach, Straßmann rc., lud er zu dem „Gesammt-gastspiele" ein, welches in der Zeit vom 13. bis 31. Juli auch wirklich stattfand,lieber die Bedeutung und den wahren Werth solcher Vorstellungen wird gelegent-lich der Schilderung der Beziehungen Dingelstedt's zu Hcrbeck noch aus-führlich die Ncdc sein.
Herbcck's Fahrt »ach der baicrischcn Hauptstadt ist angesichts der Um-stünde und Mühsäligkciten, von welchen sie begleitet war, für ei» Kind unsererneueste» Zeit, das gewohnt ist, eine solche Reise mittels Courierzugcs in10 Stunden zu absolvireu, interessant genug, um hier geschildert zu werden.
36 Stunden brachte er am Schiffe zu, bevor er dasselbe in Passau verließ.
Nach eiuer daselbst verbrachten schlechten Nacht — das viele Ungeziefer ließihn nicht zur Ruhe kommen — wurde er von fünf Uhr Früh bis nenn Uhr
Abends auf einem elenden Posttarren nach Landshut gerädert, wo es ihm
gelang, einen Eilwagen zu rcguirircn, welcher ihn des andern Morgens glück-lich nach München brachte. Die Stadt mit ihren großen, modernen Gebäudenmachte auf ihn einen günstigen Eindruck, er pries den Schöpfer solcher Zustände,den alte» König Ludwig, und konnte ihm jetzt sogar seine Lola Monte; ver-zeihe». Franz Lach »er fand er leider nicht in München, dagegen traf er denum das Volkslied hoch verdiente» Konrad Kunz an, welches ZusammentreffenHcrbeck zweifellos den Anstoß dazu gab, seine Aufmerksamkeit auf diesesmusikalische Gebiet zu lenken. Die Kunst-Ausstellung wurde natürlich fleißigbesucht und am Tage seiner Ankunft (23. Juli) sah er „Maria Stuart", am31. Juli den „Faust"/) welcher die letzte Aufführung des Gastspicl-Chclusbildete. Dingelstedt hatte damit in jeder Beziehung Glück gehabt. Der äußereErfolg war ein kolossaler. Potentaten aller Länder: der Kaiser von Oesterreich,die Könige von Preußen und Sachsen (letzterer verunglückte einige Tage späterans einer Gebirgstour) waren bei den Vorstellungen zugegen, welche trotz eines
') Briefe vom 23. und 31. Juli 1854. Anhang, S. 49 f.