Druckschrift 
Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

materielle Schade» traf ihn der Verlust des ihm durch diese Stellung erwach-senen Anrechtes, sich als einen wenn auch noch so unbedeutenden Factordes öffentlichen Knnstlebens betrachten zu dürfen.

Im Frühlinge 1854 machte Herbcck die Bekanntschaft eines Mannes,der sich schon damals als Componist von Liedern und Männerchören in dermnsikalischen Welt eines sehr guten RnfcS erfreute. Diese Bekanntschaft bliebans Herbeck's Knnstlcrlaufbahn nicht ohne Einfluß. Franz Abt war ans Besuchnach Wien gekommen und machte eine vom Männer Gesang-Vereine am 22. Mainach Nußdorf veranstaltete Süngerfahrt als Ehrengast mit. Bei dieser Gelegen-heit wurde ihm Herbcck vorgcstellt und die beiden Männer waren bald vonderart sympathischen Gefühlen zn einander erfüllt, daß Abt während seines mehr-tägigen Aufenthaltes in Wien fast ausschließlich nur mit Herbcck verkehrte.Dieser spielte ihn: mehrere seiner Eompositionen vor und wußte über Kunstund Künstler in solch' verständiger Weise zn spreche», seine Ansichten und Pläneso klar darznlegen, daß Abt aus alledem die lleberzengnng sofort gewann undderselben auch Ansdruck gab, daß er in Herbeck einen außerordentlich begabtenKünstler, dem eine große Zukunft bcvorstehe, kennen gelernt habe. Voll Stolzerinnert sich Abt, als er später von der Nichtigkeit seiner Voraussetzung über-zeugt ward, seiner Prophezeiung.Daß Ihnen noch eine bedeutende Zukunftbevorstehe, diese Entdeckung darf ich mich rühmen, bei dem ersten Zusammen-treffen mit Ihnen gemacht zn haben", schreibt er einmal an Herbeck und einanderes mal:Habe ich Ihnen nicht bei unserem ersten Zusammentreffen gesagt,daß Sie noch ein berühmter Mann werden?" lieber Abt's Veranlassunggelangten mehrere Männerchöre Herbeck's in der von jenem hcrausgegebenenSängerhalle" zum Abdruck. Diese Anerkennung und thatkräftige Unterstützungvon Seite eines Mannes, welchem er ein gediegenes Urtheil in musikalischenDingen zntrante, mußte sein Streben befeuern und ihm die Ueberzcugung ver-schaffen, daß die künstlerische Richtung, welche er cingcschlagen hatte, keine ver-fehlte war.

Um diese Zeit vertonte Herbcck eine ganze Reihe von Gedichten O.Nognette's, dessen romantische Weise ihm besonders znsagte. Es waren dies:Neuer Frühling" an: 6. Mai,

Wer ein Herz treu eigen hält" (?),

Beim Wein" am 8. Juni,

Vcilchcndust" 10.

Sterne sind schweigende Siegel" am 12. Juni,

In der Fremde" am 22. Juni.

Im Sommer hatten sich Herbeck's finanzielle Verhältnisse derart günstiggestaltet, daß er sich und den Seinen die Annehmlichkeit und Wohlthat eines,allerdings bescheidenen Sommeraufenthaltes in dem nahe gelegenen Nodaun zngönnen in der Lage war, ja er erübrigte von seinen Einnahmen noch so viel,daß er eine, den damaligen Verhältnissen gemäß, ganz bedeutende Reise unter-