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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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und heute dürften die Unterschiede zwischen nord- und süddeutschen Vereinen,welche anfangs so augenscheinlich hervortraten, kaum mehr vorhanden sein.

Am l. November 1844 begann der Wiener Verein seine Thätigkeit imConccrtsaale mit einer, zu Gunsten der durch eine Fenersbrnnst verunglücktenOrtschaft Sievring (bei Wien) veranstalteten Aufführung.

In den folgenden fünf Jahren wußte er, geleitet von den beiden Chor-meistern Gustav Barth und Anton Storch, durch eine Reihe, meist zn wohl-thätigen Zwecken veranstalteter Prodnctioncn sich die Sympathien der ihmanfangs so feindlich gesinnten Regierung und des Publicnm's zn erringen.In den Jahren 184951 finden wir an Barth's Stelle Ferdinand Stcg-mcher, welcher den Verein nach Storch's Rücktritt (1852) allein leitete, bisHans Schläger znm zweiten Chormeister gewählt wurde.

Ferdinand Stegmeycr war der Sohn des Mathias Stegmeycr, welcherals das Factotum des bekannten Theatcrdirectors Schikaneder galt; er wareine ArtDichtercomponist", da er zn seinen zahlreichen Ritter- und Schancr-stücken gleich selbst die Musik verfertigte; durch seinenRochus Pumpernikcl"machte er sich einen Namen.") Ferdinand Stegmcyer war ein fetter, kleinerMann mit runden, freundlichen Gcsichtszügc», dem eine, wohl von seinem Vaterererbte, unwiderstehliche komische Kraft innewohnte. Wenn er bei Hcrbcckgerade während des Mittagessens eintrat, so war es, bevor er noch ein Wortder Begrüßung sprach, seine erste Sorge, den Glasstoppel des vor Herbcckstehenden Fläschchens Wein mit den Worten:So was kann ich nit anschau'»"in die Flasche zn stecken. Herbeck mußte oft herzlich über ihn lachen und mitihm viele Mitglieder des Vereines. Es war eben Stegmeyer's Hauptfehler,daß er die Aufgabe der Körperschaft, welcher er Vorstand, mehr in geselligenUnterhaltungen, als in echt künstlerischen Productionen erblickte, und die Folgedavon war, daß über gewisse übel angebrachte Casparliaden die Aufmerksam-keit der Mitglieder von großen Zielen abgclcnkt wurde und der znm Studiumunumgänglich nothwendige Ernst verloren ging. UebrigenS war Stegmeycrein tüchtiger Musiker, und eS Ware ihm mit Hilfe der verfügbaren Kräftemöglich gewesen, den Productionen jene höhere Weihe zu geben, die ihnen that-sachlich mangelte. Worin die Hauptsündcn Stegmeyer's weiters noch bestanden,davon werden diese Blatter berichten.

Eine stattliche Reihe tüchtiger Männer waren damals Mitglieder desVereines oder wurden cs in de» folgenden Jahren, und sie bildeten vorzugs-weise den Kreis, in welchem Herbeck sich bewegte. I)r. Karl Olschbaucr,dessen bereits Erwähnung geschehen ist, Ur. Panzer, ein durch und durch künst-lerisch gebildeter Baßsängcr, dem Hcrbeck in späterer Zeit die schwierigstenAufgaben in seine» Concerten anvertrautc, der licdcrreichc, leider so früh in'sGrab gesunkene Tenorist Legat, der Comnnalbeamte Alexander Krenn waren

y Wnrzbach, Biogr. Lexikon, Art. Stegmeycr.