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Frühlingc 1852 bei, und es möge, da er es in demselben zu einer hervor-ragenden Stellung brachte und sich um diese Kunstgattung überhaupt große Ver-dienste erworben hat, bei Anführung dieses Schrittes eine kurze Schilderung derEntwickelung und Pflege des Männergesangcs im allgemeinen am Platze sei».
Nachlässige Geschichtsschreibung bezeichnet den, durch seine Freundschaftmit Goethe berühmt gewordenen Dirigenten der Berliner Singakademie, KarlFriedrich Zelter, als den Stifter der Männcr-Gesang-Vereine. Daß Zelter sichgroße Verdienste um die Pflege deutschen Sanges erworben hat, und daß dievon ihm am 24. Jänner 1809 gegründete Liedertafel, der Zeit nach, als dererste deutsche Münncr-Gesang-Berein gelten muß, wird niemand bestreiten können:allein, daß der Impuls zur Gründung solcher Vereinigungen alleinig vonBerlin ansgegangcn sei, ist entschieden eine unrichtige Behauptung. Die Ver-breitung der Gesangvereine erfolgte vielmehr fast gleichzeitig aus zwei ver-schiedenen Quellen. Die eine ist ganz richtig in Berlin zu suchen, die zweite,unstreitig die mächtigere, in der Schweiz.
Dem Beispiele Berlin's folgte Frankfurt a./O., Leipzig 1815, Berlinmit einem zweiten Vereine 1819, Dessau 1821, Hamburg 1825; dazwischenentstanden solche Liedertafeln in Königsberg, Breslau, Magdeburg und in vielenkleineren Städten. Aus ureigenem Antriebe und durchaus nicht nach nordischemMuster führte Nägcli, dessen Verdienste um die besprochene Kunstrichtungganz eminente sind, den vierstimmigen Männcrchor 1810 ans dem Singinstitutezu Zürich ein. Die Art und Weise, wie im Norden und Süden die neue Kunst-gattung gepflegt wurde, war eine grundverschiedene, und die Erkenntnis; dieserVerschiedenheit läßt die Ansicht, der breite Strom deutschen Männergesangessei einer Quelle entsprungen, durchaus nicht zu. In der Zelter'schen Lieder-tafel war die Anzahl der ausübenden Mitglieder beschränkt, und der Zutrittzu den, immer in geschlossenen Räumen abgehaltcnen Productionen war nurden Angehörigen und Freunden der Sänger gestattet. Den ersten schweizerischenVereinen jedoch waren solche Maßregeln fremd. Jeder, dem Gott eine Stimmegeschenkt hatte, und der die nöthigcn musikalischen Vorkcnntnisse besaß, durfteeinem Vereine bcitreten. Die Productionen fanden unter freiem Himmel, ange-sichts der herrlichen Alpennatnr statt; Greise und Jünglinge, Arme und Reicheströmten zu solchen musikalischen Festen herbei, durften den Gesängen ohneEntgelt lauschen und sich an den Leistungen sangesfreudiger Männer ergötzen.Die Einrichtungen dieser Schweizer Vereine waren von einem frischen, volkö-thümlichen Zuge belebt, während die ersten Liedertafeln des Nordens uns alsexclusive Institutionen erscheinen, deren Wachsen und Gedeihen man durch dieAnwesenheit „Ilnbcrufcner" gefährdet wähnte; Zelter's Verein ist mit dem
>) Dieser Darstellung dient das treffliche Buch von O. Elben „Geschichte des Männcr-gesauges" 1855 als Quelle. Bergt, auch A. Rcißmann „Das deutsche Lied" S. 107 ff.Reißmann's Ansicht von der Verderblichkeit des 4stimmigen Männergesangcs überhauptmuß denn doch als eine pessimistische bezeichnet werden.