Im Hause Thornton'S lebten noch zwei Schwestern der Hausfrau:Cceilc und Ernestine. Um diese drei Frauen breitete sich eine stille Weltvon Anmuth und Heiterkeit, und wie ein belebender Hauch des Frühlings zogcs durch das Gemnth des Jünglings, als er in diese, ihm wie ein Paradieserscheinende Welt eintrat. Was er weder im Baterhanse noch im Kloster jeerschaut, hier entrollte es sich als ein farbenprächtiges Bild von reizendenFormen vor seinen erstaunten Angen: das Walten des Weibes im Hause unddie Segnungen eines glücklichen, geordneten Familienlebens.
Nach Beendigung der Lehrstunden, welche in dem trauten Zimmer abgc-halten wurden, vor dessen Fenstern sich das hohe Laubdach mehrerer Kastanien-bäume auSbreitcte, trat Herb eck in den elegant eingerichteten Salon, wodie jungen Damen, mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, meist versammelt waren.Da setzte er sich in der Regel an's Clavicr, um sich in prächtigen Phantasienzu ergehe», oder auf Verlangen die neueste Composition vorzuspielen, hier undda auch ein Lied zu singen. Da wurde oft stundenlang musicirt, bis die uner-bittliche Hausfrau dieser Matinee ein Ende machte, indem sie zu Tische rief.Nach der Tafel wurde er von dem ihm wohlgesinnten Hansherrn häufig zucincr Partie Billard eingeladen. In dieser Kunst, zu welcher er gleich Mozartseine besondere Vorliebe hatte, erreichte er bald eine große Fertigkeit, so daß er inspäteren Jahren in Wien als ein vorzüglicher Spieler galt. Das Billardspiel, wiedas Kegelspiel, das er des Sommers enltivirte ^), liebte er hauptsächlich wegender damit verbundenen wohlthätigen Uebnng des Körpers, welches wichtige Momentder Erziehung von den damaligen Pädagogen leider gänzlich übersehen wurde.
In die erste Zeit seines Münchcndorfer Aufenthaltes fällt die Verfassungeines Aufsatzes: „Gedanken über den Zustand der Kirchenmusik am Lande",worin Her deck seine, in vielen Dorfkirchen Niederösterreichs gemachten Er-fahrungen niederlegte P. Es sind ganz merkwürdige Dinge, die er darin erzählt.In einer Kirche hörte er Melodien ans dem „Zauberschleier" und das Lied„Brüderlein fein" mit unterlegten: lateinischen Texte, in einer anderen einPastorale, das die Hirten mit den Worten beginnen: „Was iS dös für aGschroa (Geschrei), dös münß'n Engel sein!", worauf die Engel antworten:,01oria in axostsis Deo!" Wie Herb eck sich selten mit negativer Kritikbegnügt, so macht er auch hier Vorschläge, wie solchen Zuständen abgcholfenwerden könne, und er entwirft bei dieser Gelegenheit das Bild eines Landschul-lehrers, wie er deren mehrere Exemplare kennen gelernt hatte: „Ein Mann vonmehr als mittelmäßigen Kenntnissen (will sagen weniger), dabei die pcrsoni-ficirte Bornirtheit und Faulheit, dabei voll Arroganz oder Wichtigthncrei undwas dem Ganzen die Krone anfsetzt, mcistentheils dem Trünke ergeben. So
>) Jahn, Mozart I. S. 743.
2) In den Sechziger Jahren in: Garten des erzherzoglichen Stallmeisters Chevalier d'E h w o,in der Vorstadt Wieden, Alleegassc) dessen Sohn Mitglied des Mannergesangvereines war.
3) S. Anhang.