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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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In dcr von den blutigen Mörz- nnd Octobertagen begränztc» Epocheentstand nachweisbar nnr eine Eomposition: ein Offertorium für gemischtenChor, Orgel und kleines Orchester am 12. August.

Bald nach der Einnahme Wien's durch die kaiserlichen Truppen erfuhrenHerbcck's Lebcnsschicksale eine Wendung, welche, indem sie ihn in eine neue gesell-schaftliche Sphäre führte, zweifellos von großer Bedeutung für seine geistige Ent-wicklung war. lieber Verwendung des Präfcctcn ?. Rudolf hatte nämlich derPfarrer des Ortes Münchendorf in Niederösterreich, ?. Nikolaus, bei dem Fa-briksbesitzer Karl von Thornton seinen Einfluß dahin geltend gemacht, daß dieserHerbeck als Hofmeister seines Sohnes Ernst iu'S Haus nähme. Karl von Thorn-ton war ei» Nachkomme des Engländers John Thornton, welcher die maschinelleBehandlung der Baumwolle in Oesterreich eiuführte. Er besaß die große Baumwoll-spinnerei in Münchcndorf. Dieser Ort, heute Station der Wien-Pottendorfcr Eisen-bahn, liegt a» einer Landstraße, nahe den Orten Laxenburg und Bicdermanusdorf.Dem Charakter der, gegen die ungarische Gränze hin gelegenen Dörfer entsprechend,besteht dieser Ort aus einer lange» Gasse, deren bedeutende Breite zu der geringenHöhe dcr Häuser in einem Mißverhältnisse steht. Am südlichen Ende der langenZeile biegt ein Fahrweg nach rechts ab, welcher zu dem, durch Mauer» abgegränztenehemaligen Bcsitzthnm Thornton's führt. Dasselbe bestand in dcr Fabrik unddem gegenüber liegenden netten einstöckigen Hcrrcnhause. Von dem großen, park-ähnlichen Garten genießt man über die weite Ebene hin einen prächtigen Fernblickauf die Ausläufer der nördlichen Kalkalpen, vom Schueeberg bis zum Anuiuger.

Hcrbcck, welcher sich alsbald bei Thornton vorstelltc, hatte das Glück,aeceptirt zu werden, und so sehen wir ihn zu Beginn des Winters 184849bereits in seinem neuen Heim. Man würde irren, wollte man glauben, daßHerb eck damals einem sicbenzchnjührigen Jünglinge glich. Seine feine» Gesichts-zügc waren zwar von einer fast mädchenhaften Weichheit, aber ein schon ziem-lich entwickelter dunkler Bart und eine kräftige, tiefe Stimme verliehen seinerErscheinung jene imponirende Männlichkeit, die cinem Jünglinge, welcher einepädagogische Stellung einnimmt, sehr zu Statten kommt.

Karl von Thornton war mit einer Tochter des Hofarztes Rinna vonSarenbach, Marie, verheiratet. Dieser sehr glücklichen Ehe waren zwei Kinderentsprossen: Ernst, welcher nun den Unterricht Herbcck's genießen sollte, undJohanna, welche aber zum Schmerze der Eltern nach kurzem Erdcnwallen in denersten Wochen seiner Anwesenheit in Münchcndorf starb. Herb eck, der ein großerKinderfrcnnd war^), ließ cs sich nicht nehmen, die Leiche des Mädchens zur Kirchennd nach dem Friedhöfe zu tragen, indem er der dagegen protcstirenden Mutter bc-thcncrte, daß ein todtcs Kind nur von einem Junggesellen getragen werden dürfe. 2)

>) Vcrgl. die Schlnßstellen der Briefe vom 9. Ortober 1866 und 29. Dcccinbcr 1864.Anhang S. 73 n. 64.

-) Nach gütigen Mittheilnngen der Frau Marie von Thornton. Jin Frühling 1849verfaßte Herb eck zwei Grabschriften für das Mädchen, seinem Schüler Ernst widmete ereinen poetische» Gruß. S. Anhang.